Kinderbetreuung, Haushalt, Büro, Pflege: Die Rolle der berufstätigen Mutter ist eine gesellschaftlich und finanziell wenig dankbare - von den vielen Stunden unbezahlter Arbeit über magere Karrierechancen bis zu Altersarmut. Aus der klassischen Doppelbelastung von Beruf und Familie ist in Corona-Zeiten eine Dreifachbelastung geworden. Zwischen Homeoffice, Kochen und Homeschooling zerrissen, wünscht sich so manche Frau noch dringlicher eine entlastende Doppelgängerin.

Neue Rahmenbedingungen bringen kaum neue Probleme. Vielmehr kommen chronische Schieflagen, die das System durch geschicktes Kaschieren oder die Mehrleistung Einzelner verdeckt, deutlich zum Vorschein. In diesem Schlaglicht auf ewig mitgeschleppte Probleme liegt der Funken Wahrheit, der gerne als Chance der Krise gefeiert wird. Unter Zugzwang ist man eher gewillt, aus dem gewohnten Trott auszubrechen. Oft macht nur die Not erfinderisch.

Was das für die akut überlasteten Mütter bedeutet? Damit sich Grundlegendes im System ändert, braucht es Sichtbarkeit. Medizinisches Personal und Verkäuferinnen etwa erfahren diese neue Wertschätzung derzeit kollektiv. Was sie leisten, geschieht öffentlich. Das sind gute und schlechte Nachrichten für Mütter, die in ihren vier Wänden an den Mehrleistungen zu zerbrechen drohen. Mit Balkonkonzerten und Herzerl-Stürmen auf Sozialen Medien können sie nicht rechnen. Vielleicht aber mit etwas - für alle - langfristig Wertvollerem.

Die kollektive Solidaritätswelle ist rührend. Ob sie an der konkreten Situation der Betroffenen etwas ändern wird - etwa auf dem Gehaltszettel und bei den Arbeitsbedingungen -, ist fraglich. Es bleibt die Gefahr, dass es analog zum Muttertag bei einem kurzen Moment der Rührung bleibt.

Der Wahrnehmungskreis, den Mütter derzeit um sich haben, mag kleiner sein, sich aber im Idealfall in nachhaltigeren Veränderungen niederschlagen. Der eigene Partner, der sich auch nicht ins Büro zurückziehen kann; der Kollege, der geteilte Kinderbetreuung in Anspruch nimmt; die Chefin, die sieht, wie effektiv Homeoffice sein kann: Sie alle können nicht wegschauen, sind gezwungen, sich zu verhalten, zu reagieren und gewohnte Muster neu zu bewerten oder zu durchbrechen. Das wird nach der Krise nachwirken.

Dass es Zeit braucht, bis daraus geteilte Karenzen, faire Gehälter und familienfreundliche Arbeitsbedingungen entstehen, ist klar. Lebensfähige Keimzellen dafür hat die Krise einige hervorgebracht. Auch die Bausteine für neue Lösungen hat das Virus aus steinernen Strukturen kraftvoll herausgehauen. Daraus eine überfällige neue Normalität zu bauen, ist die Hoffnung an diesem ganz besonderen Muttertag.