Nun sind sie da, die von den einen sehnlich erwarteten, von den anderen barsch eingeforderten Informationen zur Öffnung der Kultur in Österreich. Präsentiert wurden sie schlussendlich ohne die zuständige Staatssekretärin. Ulrike Lunacek hatte zuvor ihren Abgang verkündet. Das hat sich zuletzt als unvermeidlich abgezeichnet. Es ist eine besondere Niederlage, wenn man gerade mitten in einer Krise das Handtuch wirft. Aber das Eingeständnis, dass man einen Job nicht zur Zufriedenheit derer, für die man arbeitet, erledigen kann, ist zumindest ehrlich.

Dass diejenigen, die laut nach Lunaceks Rücktritt gerufen haben, eventuell einen Pyrrhussieg errungen haben, ist dabei ein Kollateralschaden: Es wird die Bedürfnisse der Kulturklientel nicht rasanter stillen, wenn sich eine neue Staatssekretärin nun wieder neu einarbeiten muss.

Dass es ein Fehler war, jemanden für dieses Amt auszuwählen, der fachlich wenig mit Kultur am Hut hat, ist nun hoffentlich bei Werner Kogler angekommen. Ohne Corona hätte Lunacek vielleicht die Zeit gehabt, sich vertraut zu machen und entsprechend zu vernetzen. Aber Corona zeigt: Mit Krisen und Herausforderungen ist nun einmal zu rechnen. Als Nachfolgerin wären die Grünen gut beraten, sich im kompetenten Kulturmanagement umzusehen. Eine fähige Person, die sowohl im Kulturleben verankert ist, als auch schon bewiesen hat, dass sie Krisen meistern kann und Durchsetzungskraft hat. Vielleicht sogar jemand, der bereits in der Corona-Krise konkret gezwungen war, an Lösungsansätzen zu arbeiten.

Wer auch immer diese Nachfolgerin dann sein wird, sie sollte schleunigst daran arbeiten, das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen. Und gleichzeitig wird es nötig sein, auch die Relationen wieder ein bisschen zu verschieben. Und die Vergleiche nicht nur dort zu ziehen, wo sie einem zupasskommen. Ja, allein Bayern stellt ein Vielfaches an Förderungsmitteln für den Kulturbereich zur Verfügung als Österreich.

Aber man sollte auch nicht vergessen, dass die Politiker, die diese Pandemie handhaben müssen, tatsächlich keine wirklichen Erfahrungswerte haben. Diese Situation gab es noch nie, man kann sich an keinem Patentrezept orientieren. Und Tatsache ist auch: International gesehen ist Österreich keineswegs spät dran mit Konzepten für eine Öffnung von Kulturstätten. In New York bleibt der Broadway bis September geschlossen. In London geht man davon aus, dass eine im Juli anvisierte Öffnung der Theater wieder verschoben wird. Wenig übersichtlich ist die Planungsperspektive auch in Deutschland.

So bitter die Einsicht ist: Nicht die Kulturschaffenden, nicht die Politiker entscheiden letztlich, wann wir ins Theater gehen: Das macht ganz allein das Virus.