Mitte März, auf dem Höhepunkt der Corona-Krise in Europa, schreckte eine Meldung die deutsche Bundesregierung auf: US-Präsident Donald Trump soll versucht haben, deutsche Wissenschafter der Biotech-Firma Curevac mit Geldversprechen in die USA zu locken oder zumindest den Covid-19-Impfstoff, der dort entwickelt wird, exklusiv für sein Land zu sichern. Deutschland hat diese Avancen damals abgeblockt, die Folge war eine veritable Verstimmung in den ohnehin seit Trumps Präsidentschaft angespannten transatlantischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA.

Nun hat der US-Pharmakonzern MSD (Merck & Co) das Wiener Biotech-Unternehmen Themis Biosciences übernommen (vorbehaltlich der Zustimmung der Marktregulierungsbehörden), und die zuständige österreichische Wirtschaftsministerin ist höchst zufrieden.

Knickt Österreich ein, wo Deutschland hart geblieben ist?

Keineswegs. Der Übernahmeversuch von Curevac war ein aggressiver Akt der Amerikaner, um sich die höchst innovative mRNA-Impftechnologie exklusiv zu sichern. Die Übernahme von Themis hingegen sollte das Wiener Unternehmen in die Lage versetzen, auf Kapital und Vertriebsmacht eines Pharmariesen zugreifen zu können. Beruhigend an dieser Übernahme ist zudem, dass Themis ein Partner der internationalen Impf-Allianz CEPI ist, die sich dem Ziel verschrieben hat, den Covid-19-Impfstoff zu günstigen Konditionen weltweit anzubieten und zu diesem Zweck Gelder aus europäischen Staaten und von der Bill und Melinda Gates Stiftung erhalten hat. MSD und Themis betonen, dass der Impfstoff - falls er die Zulassung erhält - weltweit angeboten wird.

Das Fallbeispiel Themis ist aus einem weiteren Grund interessant: Bei der Entwicklung des Impfstoffs arbeiten das Institut Pasteur in Paris, die Universität Pittsburgh und eben Themis in Wien zusammen. Nun steigt Big Pharma aus den USA ein.

Würden Politiker im Kampf gegen das Coronavirus auch nur einen Bruchteil so effizient und professionell über Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten wie die Wissenschafter, dann wäre die Menschheit in dieser Pandemie schon ein gutes Stück weiter. Nun, bei der Produktion und Auslieferung des Impfstoffs muss endlich gelingen, worin die internationale Politik bisher so kläglich gescheitert ist: Kooperation. Denn am Ende ist es völlig egal, ob ein Impfstoff aus den USA, Südkorea oder China, aus Stanford, Oxford oder Wien stammt - funktionieren muss er.

Und nur wenn alle Produktionskapazitäten in der EU, Indien, China und den USA herangezogen werden und die globale Logistik funktioniert, kann es gelingen, Impfstoff in ausreichender Menge bereitzustellen.