Kommt nun die Zeit der Flag-Carrier zurück? In Zeiten, in denen der Staat das Wirtschaftsgeschehen bestimmt wie seit Jahrzehnten nicht mehr, sind die sogenannten Flag-Carrier (also die staatsnahen Unternehmen wie Air France, Lufthansa, KLM, AUA, Finnair) klar im Vorteil. Denn die Staaten spannen Rettungsschirme für "ihre" Airlines auf, während die Billigflieger auf ihre Kapitalreserven zurückgreifen müssen.

Flag-Carrier sind für Staaten wertvolle Assets, wenn es darum geht, internationale Wirtschaftsbeziehungen zu stärken und Touristenströme zu lenken.

Für ein globalisiertes Tourismusland wie Österreich ist eine starke Airline mit einem engmaschigen Netz an Direkt-Destinationen unverzichtbar. Wenn dieser Verkehrsdienstleister wie im Fall der AUA dann noch eng mit den heimischen Flughäfen und der ÖBB zusammenarbeitet, umso besser. Die AUA hat sich auch in der Krise bewährt: Tausende Österreicher wurden in AUA-Maschinen heimgeholt, die Airline flog medizinische Hilfsgüter aus China ein.

Regierungen haben die Flag-Carrier immer wieder als Soft-Power-Instrumente benutzt, um politische und wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Die starke AUA-Präsenz in Mittel-, Ost- und Südosteuropa trug erheblich dazu bei, Wien zu einem zentralen Knotenpunkt der Region zu machen. Dieses Kalkül veranlasst Regierungen, ihren Flag-Carriern Auftrieb unter die Flügel zu verschaffen.

Der CEO der Billigairline Ryanair,

Michael O’Leary, ist alles andere als erfreut. In einem Gastkommentar im Finanzblatt "Financial Times" haute er ordentlich auf den Putz: Die EU solle nicht zulassen, dass einzelne Staaten ihre sogenannten Flag-Carrier retten und so den Wettbewerb verzerren. Wenn schon, dann sollten die staatlichen Hilfen auch Ryanair zugutekommen können.

Sieht man genauer hin, erweist sich diese Forderung von O’Leary als einigermaßen dreist: Ryanair kam immer wieder in die Schlagzeilen, weil das Unternehmen bei der Steuervermeidung besonders kreativ war, zwielichtige Beschäftigungsverhältnisse konstruierte und es mit dem Konsumentenschutz nicht sonderlich genau nahm. Nehmen ist für O‘Leary seliger denn geben.

Dennoch: Flag-Carrier stehen wohl auch "post Covid" vor ernsten Problemen. Zwei wichtige Cash-Cows könnten wegfallen: Lukrative Kurzstrecken sollten aus Klimaschutzgründen in den kommenden Jahrzehnten durch Hi-Speed-Eisenbahnverbindungen ersetzt werden. Und Business-Frequent-Traveller haben in den vergangenen Monaten gelernt, wie bequem und effizient Telekonferenzen sind. Das Flugtouristik-Segement wird also noch härter umkämpft sein als zuvor. Das Match Flag-Carrier gegen Billig-Airlines wird weitergehen.