Statistiken gehören zu den wenigen Ankern inmitten all der Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie. Selbst dann, wenn wir wissen - oder Gründe zu vermuten haben -, dass die veröffentlichten Zahlen nicht stimmen und bestenfalls eine Annäherung an die schwer greifbare Realität sind. Wir umzingeln die Corona-Pandemie mit mathematischen Mitteln.

Mit Zahlen lässt sich auch wunderbar lügen und betrügen, täuschen und tarnen - und nicht immer muss ein Wille dahinterstehen. Es reicht oft, wenn nicht dazugesagt wird, wo die Grenzen der Aussagekraft liegen.

So beträgt laut offiziellen Statistiken die Zahl der bisher Infizierten in Bulgarien 10.400 Personen, in Rumänien 45.000, in Serbien 23.700, in Montenegro 2.800 und in Albanien 4.800. Tatsächlich rechnet der Leiter der Gesundheitsbehörde Ages mit bis zu zehnmal höheren Werten in diesen Ländern und einer Durchseuchung von bis zu 50 Prozent. Er schließt das aus der hohen Zahl positiv getesteter Balkan-Rückkehrer nach Österreicher.

Auch das Riesenreich China will mit seiner Corona-Informationspolitik den Eindruck erwecken, als sei es in der Lage, jeden noch so kleinen Cluster in kürzester Zeit zu identifizieren und zu isolieren. Das ist angesichts von 1,4 Milliarden Einwohnern höchst unwahrscheinlich und eigentlich Propaganda. Und natürlich gaukelt die heimische Fixierung auf die tägliche Zahl an Neuinfizierten eine Scheingewissheit vor.

Das ist der Stoff, aus dem nicht nur Unsicherheit, sondern auch Misstrauen zwischen Staaten, Regierungen und Bevölkerungen erwachsen. Was wiederum fast eine Garantie dafür ist, dass Kooperation und Koordination nur im absolut notwendigen Minimum stattfinden.

Wie schlecht das funktioniert, zeigt sich im Chaos neuer Sicherheitsbestimmungen und Reisebeschränkungen, das mit jedem neuen Tag einer sich erneut verschärfenden Corona-Pandemie größer und für die Bürger undurchsichtiger wird.

Das wird sich, so ehrlich muss man wohl sein, in dieser Pandemie auch nicht mehr ändern. "Brüssel" hat in Gesundheitsfragen weder die politische Kraft noch die juristische Kompetenz und auch nicht die bürokratische Erfahrung. Das Beste, was sich aus dem Sammelsurium nationalstaatlicher Maßnahmen sagen lässt, ist, dass alle um fast jeden Preis versuchen, einen zweiten Lockdown zu verhindern. Für diesen Zweck schrecken die Regierungen auch vor erratischen Entscheidungen nicht zurück.

Allerdings warnt die Weltgesundheitsorganisation zu Recht vor zu vielen Strategiewechseln. Am Ende kennt sich nämlich niemand mehr aus.