Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zur alten Normalität ist verflogen. Das betrifft die epidemiologische Dimension der Corona-Krise und noch viel mehr ihre ökonomische.

Was den Konjunkturverlauf angeht, so war das V-Szenario - auf einen scharfen, tiefen Einbruch folgt eine ebenso schnelle Erholung - schnell ausgeträumt, auch auf einen U-Verlauf - wie V, nur mit längerer Talsohle - gibt es wenig Aussicht. Als Schreckensbild hängt ein L-Verlauf wie ein Damoklesschwert über der allgegenwärtigen Verunsicherung: Auf den Absturz folgt eine lange Phase der Stagnation auf tiefem Niveau. Was das für die Zukunft verheißt, möchten sich Regierungen, Notenbanken, soziale Sicherungssysteme, Unternehmen und Bürger lieber nicht ausmalen.

Ein vergleichsweise optimistisches Szenario ist deshalb eine langsame, aber immerhin stetige Erholung nach dem Einbruch. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt vermittelt bereits eine Ahnung davon. Im fünften Monat der Corona-Krise hat die Arbeitslosigkeit zwar ihren Höhepunkt überschritten, aber mit rund 430.000 Menschen ohne Job sinkt die Zahl unendlich langsam. Hinzu kommt, dass die Kurzarbeit wieder steigt, zwar nur leicht, aber doch - auf aktuell 475.000.

Auch deshalb war eine Verlängerung samt Reform der Kurzarbeit unausweichlich: Nach wie vor lebt die Hoffnung, dass ein Gutteil der Betroffenen über die Krise hinweg in Arbeit gehalten werden kann.

Dennoch droht vielen nach der Kurzarbeit der Jobverlust. Hier setzt das neue, verschärfte und befristete Modell an, indem die Hilfe für Unternehmen maßvoll zurückgefahren, Missbrauch eingeschränkt und Anreize für Umschulungen und Fortbildung eingeführt werden. Doch das sind alles Notfall- und Überbrückungsmaßnahmen, tatsächlich stehen wir am Beginn einer grundlegenden Debatte über die Neuorganisation von Arbeit in der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft.

Das beginnt mit der Reform des Arbeitslosengeldes, führt über die wachsende Akzeptanz von Homeoffice und Teleworking sowie die Etablierung neuer Arbeitszeitmodelle mit mehrheitlich wohl kürzeren, aber sicher auch flexibleren Arbeitszeiten und endet bei der finanziellen Aufwertung von Tätigkeiten im Handel und in der Pflege, die oft mit einem Bein im Prekariat stehen.

Diese Veränderungen können nicht isoliert betrachtet und angegangen werden, weil sie den wirtschaftlichen Status quo zahlloser Branchen und Unternehmen grundlegend verändern. Die Kunst wird darin bestehen, nicht nur an einem Rädchen zu drehen, sondern an vielen gleichzeitig. Ein entsprechender Plan wäre toll, immerhin geht es um unser aller Wohlstand.