Der Sturzflug des Konjunkturgraphen ist wahrlich schockierend: Österreichs Wirtschaft ist laut Angaben des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) im zweiten Quartal um 12,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen - die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Zum Vergleich: Österreichs wichtigster Handelspartner Deutschland verzeichnet einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 11,7 Prozent (verglichen mit dem Vorjahr).

So wie das Bruttoinlandsprodukt seit der Corona-Pandemie immer weiter abgestürzt ist, sind im Gegenzug die Arbeitslosenzahlen explodiert: 12,7 Prozent im April und 10,1 Prozent im Juni.

Und die Aussichten bleiben weiter düster: Wichtige Abnehmer heimischer Exporte (USA, Italien, Großbritannien) sind in einer viel tieferen Malaise als Österreich, und die Wintertourismus-Saison 2020/2021 im Westen Österreichs wird wohl weitgehend ausfallen. Der Pfad zur Erholung ist lang und beschwerlich.

Doch wie geht es nun weiter?

Ist es gar so wie in der ersten Szene des Burgtheater-Weltuntergangstheaterstücks "Dies Irae", in der ein beim Sturz von einem Wolkenkratzer wild fuchtelnder Burgschauspieler Felix Rech im Todesflug die beruhigende Selbstbeschwörungsformel "So far so good" ("Bis hierher lief’s ganz gut") mantraartig wiederholt - bis zum Aufprall? Oder sind wir bereits nach dem Aufprall und das Schlimmste ist schon überstanden?

In Zeiten der Pandemie ist eine Antwort von Virologen und Epidemiologen eher zu erwarten als von Ökonomen. Denn die Erholung wird davon abhängen, wie wirkungsvoll das Virus unter Kontrolle gebracht werden kann und bis wann ein Impfstoff verfügbar ist. Von dieser Seite kamen zuletzt vorsichtig optimistische Signale.

Doch welche Prognosen lassen sich nun treffen, wie wird sich der Corona-Schock auswirken? Die Akteure im Wirtschaftsgeschehen können sich auf eine Ära tiefer Zinsen einstellen. Denn die schmerzloseste Art der Sanierung der Staatsfinanzen ist es, wenn der Zinssatz für Staatsanleihen für einen längeren Zeitraum niedriger ist als das Wirtschaftswachstum. Bonus: Niedrige Zinsen lassen Realkapital-Investitionen attraktiv erscheinen - und diese führen in der Regel zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die Austeritätsdebatte ist ad acta gelegt - die Sanierung der Staatsfinanzen durch einen harten Sparkurs ist nach der Überwindung der Krise keine Option - stattdessen sind politische Konflikte um eine höhere Besteuerung von Kapitalerträgen, Erbschaften und Vermögen zu erwarten.

Wie schrieb kürzlich der "Economist": "Das alte ökonomische Paradigma ist müde geworden. So oder so: Wir stehen vor einem Wandel."