Sommer ist’s. Nachrichtlich gesehen ist das ja eher eine fade Zeit. Da fallen den Journalisten dann auch Kleinigkeiten groß auf. Solche "Petitessen" etwa, wie die jüngst ruchbar gewordene geplante Zahlung von schlanken drei Millionen Euro an Manager eines ehemals staatlichen Unternehmens, das gerade - wieder einmal - mit Steuergeld vor der Pleite gerettet worden war. Da hetzt dann die Journaille bestialisch und bedient die Neidgesellschaft. Und am Ende mussten die armen Wirtschaftslenker - so wie geschehen - dann verzichten.

Dabei wären die zur Debatte stehenden Bonizahlungen für das Jahr 2019 - nennen wir das Kind jetzt ruhig einmal beim Namen - an die Bosse der AUA rechtlich gesehen vollkommen korrekt gewesen. Wie das ganze moralisch zu bewerten gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls soll es nicht in diesem Blatt stehen, denn die Zeitung der Republik ist kein Moralisten-Organ.

Was aber hier zur Debatte stehen soll - zur Debatte stehen muss - ist die Frage der politischen Bewertung. Und da drängt sich eine Frage nachgerade zwingend auf: Wie es nämlich möglich hätte sein können, dass bei einem Unternehmen solche Bonizahlung fließen, das gerade um ein paar hundert Millionen Euro Hilfe beim Staat gebettelt hatte. Das von der Republik Österreich - mit Ihrem - Steuergeld vor dem ökonomischen Exitus letalis bewahrt worden war. Hat da niemand von den Staatslenkern daran gedacht, dass solche Bonizahlungen politisch katastrophal dahergekommen wären?

Wo etwa war der Finanzminister? Er versteht doch ganz gewiss etwas von Wirtschaft, sonst hätte er diesen Job ja nicht. Schließlich hat er ja auch danach an dem Vorgang scharfe Kritik geübt. Aber wo war er und die Seinen bei den Verhandlungen? Oder wo war die Verkehrsministerin? Irgendwie, zumindest peripher, geht schließlich die AUA doch sie und ihr Ressort etwas an - oder täuscht das?

Jedenfalls wurde ganz offensichtlich bei den Verhandlungen mit AUA und Lufthansa darauf "vergessen", das Thema Boni, genauer: Boniverzicht, anzusprechen. Ziemlich sicher wären Lufthansa und/oder AUA aber bereit gewesen, darüber mit sich reden zu lassen. Denn für 450 Millionen Euro ist man zu vielem bereit.

Aber gut: Es ist nun halt einmal passiert. Irren ist menschlich. Also Schwamm drüber. Vergessen wir das Ganze. Wünschen wir dem Finanzminister für seine Zukunft, also die Wien-Wahl, alles Gute! Und der Verkehrsministerin gratulieren wir zu dem Erfolg, dass sie der AUA bei Inlandsflügen, die ja ökologisch betrachtet besonders pfui sind, ordentlich die Flügel gestutzt hat.

Sommer ist’s. Da kann man in der Hitze des Gefechts schon einmal ins Delirium fallen. Auch in einem Leitartikel.