In nicht einmal zehn Jahren soll hierzulande Strom ausschließlich aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse erzeugt und verbraucht werden. Denn Österreich hat sich verpflichtet, sich ab 2030 nur noch mit Strom aus Erneuerbaren zu versorgen. Bis 2040 soll der Komplettausstieg aus fossilen Energien erfolgen. Nicht nur die Strombranche erwartet daher sehnsüchtig das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, auch viele Bürger fragen sich, wie dieses ehrgeizige Ziel konkret geschafft werden soll.

- © Tatjana Sternisa
© Tatjana Sternisa

Ab Jänner 2021 soll das Gesetz in Kraft treten. Damit bleibt es nicht mehr nur Hauseigentümern und Energieversorgern vorbehalten, Photovoltaikanlagen betreiben zu dürfen. Alle Bürger sollen künftig Energiegemeinschaften bilden können. Mit Nachbarn, im Verein oder in einem Wohnblock wird die gemeinsame Produktion und Nutzung von Solarstrom möglich. Aber auch ortsunabhängig soll es leichter möglich sein, sich an Projekten für erneuerbare Energie zu beteiligen.

Auf viele kleine Anlagen zu setzen, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber leider nicht mutig genug hinsichtlich der knappen Zeit, des ehrgeizigen Ziels und der vielen Möglichkeiten, die sich bieten. Ohne Mut wird hier eine große Chance vertan - für den Klimawandel, aber auch für Österreichs Wirtschaft. Schaffen wir unser gesetztes Ziel nicht, werden in Torschlusspanik große Anlagen auf der grünen Wiese errichtet. Die bringen viel und günstigen Solarstrom - tragen aber kaum zur österreichischen Wertschöpfung bei. Denn die günstigen Module für Großanlagen kommen überwiegend aus Asien. Die Komponenten und die Dienstleistung für Kleinanlagen hingegen bringen Wertschöpfung und schaffen Jobs in Österreich und Europa. Beschränken wir uns bei den Kleinanlagen aber weiter nur auf Gebäudedächer, werden wir ein Platzproblem bekommen. Denn die Vereinbarung für zusätzlichen Strom aus Erneuerbaren bis 2030 ist nur ein Zwischenschritt. Langfristig werden wir wohl dreimal so viel Solarenergie benötigen. Die Entwicklung innovativer Photovoltaik-Märkte ist deshalb besonders wichtig, um den Energiewandel zu schaffen - und auch für die Stärkung des Standorts.

Die heimische Branchenindustrie fokussiert sich seit Jahren auf innovative Lösungen, wie etwa die Überdachung von Großparkplätzen, auf integrierte Module in Wänden, Mauern, Straßen, auf schwimmende Solarmodule oder Module über landwirtschaftlich genutzten Flächen. Aus Kostengründen können diese Lösungen noch nicht mit den Hauptmärkten Dach und Großfläche konkurrieren. Aber wäre jetzt nicht genau der richtige Zeitpunkt, in innovative, intelligente und hochakzeptierte Lösungen zu investieren?