"Ehrlich gesagt, es wird keine Machtübergabe geben, sondern Kontinuität", sagte US-Präsident Donald Trump diese Woche auf die Frage eines Journalisten, ob er "sich zu einer friedlichen Machtübergabe nach den Wahlen im November" verpflichten würde.

"Wir werden ja sehen, was passiert", so Trump. "Sie wissen ja, dass ich sehr deutlich gegen die Briefwahl bin - die ist ein Desaster."

Die Briefwahl ist tatsächlich ein Desaster - für Trump. Laut einer Umfrage der Monmouth University von Ende Juli haben im Bundesstaat Georgia 60 Prozent der Demokraten die Absicht, per Briefwahl zu wählen, aber nur
28 Prozent der Republikaner. Kein Wunder also, dass Trump gegen die Briefwahl wettert.

Während es bei früheren Wahlen kaum einen Unterschied zwischen der Stimmabgabe im Wahllokal und der Briefwahl gab, wird das - nicht zuletzt, weil Trump im Zusammenhang mit der Briefwahl immer wieder von Wahlbetrug gesprochen hat - diesmal anders sein. Briefwahlstimmen werden mit einer viel größeren Wahrscheinlichkeit Stimmen für Joe Biden und die Demokraten im Senat und Repräsentantenhaus sein, während persönlich abgegebene Wahlzettel eher für Trump und die Republikaner zu zählen sein werden.

Unangenehm für Biden: Das Risiko, dass bei der Stimmabgabe Fehler gemacht werden, ist bei der Briefwahl viel größer als bei der persönlichen Stimmabgabe. Das erhöht auch das Risiko, dass die Wahl letztlich nicht von den Wählern, sondern vor Gericht entschieden werden könnte - kein Wunder, dass Trump noch vor den Wahlen "seinen" Richter am obersten Gerichtshof bestellen möchte.

Bidens Team macht aber ein weiteres Faktum Sorgen: Der zu erwartende Überhang demokratischer Briefwahlstimmen könnte in einigen Bundesstaaten dazu führen, dass die großen TV-Stationen aufgrund der ersten Ergebnisse der Wahllokalstimmen dort am Wahlabend Trump zum Sieger erklären könnten - sollte sich der jeweilige Bundesstaat dann nach Auszählung der Briefwahlstimmen in Richtung Biden drehen, würde Trump von einem Foul sprechen.

Eine Reihe renommierter Medien rechnet damit, dass Trump sich auch bei einer klaren Niederlage wie eine Klette ans Oval Office im Weißen Haus klammern dürfte. Zuletzt erschien im Monatsmagazin "The Atlantic" ein Investigativstück unter dem Titel: "Die Wahl, an der Amerika zerbrechen könnte". Mehr als eine düstere Vorahnung? In einem der letzten Wahlkampfauftritte vor der Wahl 2016 sagte Trump in Delaware (Ohio): "Ladies und Gentlemen, ich möchte eine wichtige Ankündigung machen: Ich verspreche, dass ich das Wahlergebnis dieser großartigen und historischen Präsidentenwahl akzeptieren werde - wenn ich gewinne."