Vor drei Jahren, zehn Monaten, drei Wochen und einem Tag wurde Donald John Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Die USA sind unter Trumps Führung zu den polarisierten Staaten geworden - noch mehr, als das schon zuvor der Fall war. Das Land mit elf Flugzeugträgergruppen und 5.800 Atomsprengköpfen im Nukleararsenal wurde von einem Mikropartikel in der Größe von rund 100 Nanometern (dem Coronavirus) in die Knie gezwungen - die toxische Mischung aus Inkompetenz und Ignoranz des republikanischen Präsidenten war für das Versagen der US-Gesundheitsbehörden ein wichtiger Faktor. Eine Folge der Pandemie: Die USA leiden an der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der großen Depression.

Mit dem ersten Fernsehduell in Cleveland, Ohio hat nun am Dienstagabend (Ortszeit) der Intensivwahlkampf im Rennen ums Weiße Haus begonnen. Fünf Wochen nach dem ersten TV-Duell finden am 3. November die Präsidentenwahl sowie die Wahl zum Senat und zum Repräsentantenhaus statt. In den jüngsten Umfragen sieht es so aus, als würde Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden mit großer Wahrscheinlichkeit zum 46. US-Präsidenten gewählt werden.

Selbst wenn der Amtsinhaber in den TV-Debatten besser abschneiden sollte als sein Herausforderer Biden: Der Anteil jener Wählerinnen und Wähler, die angeben, dass diese Fernsehdebatten für sie ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung seien, sinkt beständig: von 38 Prozent im Jahr 2012 auf 34 Prozent im Jahr 2016 und schließlich 29 Prozent im heurigen Jahr. Diesmal sind in einigen Bundesstaaten schon längst die Stimmzettel ausgefüllt, wenn das TV-Duell über den Bildschirm flimmert.

Das Kernproblem des politischen Systems der USA beseitigen die TV-Duelle nicht - im Gegenteil: Das politmediale Zweiparteiensystem ist zu einer tribalistischen Polarisierungsmaschine verkommen. Jüngstes Beispiel: Die Enthüllungen der "New York Times", dass Trump zuletzt nur 750 Dollar an Steuern bezahlt hat. Seine Kritiker fühlen sich bestätigt und sind zugleich verärgert, dass an Teflon-Trump immer alles abzutropfen scheint. Seine Anhänger sind davon überzeugt, das alles seien Fake News.

Charles M. Blow, ein Kommentator der "New York Times", schrieb zuletzt: "Wir brauchen keine Fernsehdebatten. Trump wird sich bloß in Szene setzen und lügen. Was bringt das den Wählerinnen und Wählern?" In diesem Punkt hat Blow wohl nicht ganz unrecht - Trump ist der Terminator der zivilisierten politischen Debatte. Gleichzeitig gilt aber auch: Das Ende der TV-Duelle wäre eine Kapitulation vor dem Politikstil à la Trump.