Die zweite Corona-Welle tost unaufhaltsam heran. "Wir sind mit dem Virus fertig", freuten sich manche im Sommer. Doch das Virus ist mit uns noch nicht fertig. Nun rächen sich die Versäumnisse der vergangenen Monate: Die Pandemiebekämpfung wurde nie zu einem nationalen Kraftakt, bei dem Regierende und Regierte sich mit allergrößter Anstrengung gegen die Pandemie gestemmt hätten. Es wurde mehr politisches (und reales) Kapital darauf verwendet, die Pandemiefolgen zu bewältigen, als darauf, der Pandemie selbst mit Entschlossenheit entgegenzutreten.

Die Frage muss erlaubt sein: Was hat die Politik den Sommer über getan, um Staat und Gesellschaft auf den langen Winter vorzubereiten? Sind die Test- und Tracing-Kapazitäten ausreichend, um jedes Aufflackern der Pandemie im Keim zu ersticken? Nein.

Sind die Schulen jetzt so viel besser vorbereitet, sollte wieder auf Homeschooling umgestellt werden müssen? Nein. Die Stopp-Corona-App wurde versenkt, die Gastro-Registrierung funktioniert nicht, die Quarantäne-Überwachung ist mangelhaft.

Es wäre aber falsch, alle Verantwortung der Politik aufzubürden. Die Corona-Pandemie ist eine "Mitmach-Krise": Ohne tatkräftige Mithilfe jedes Einzelnen kann das Virus nicht unter Kontrolle gebracht und gehalten werden. Mund-Nasen-Schutz, Hände waschen, Distanzgefühl (Stichwort: Babyelefant) und Einschränkung der Sozialkontakte sind die wichtigsten Maßnahmen, die jeder Bürger, jede Bürgerin beachten muss, damit die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus gebremst werden kann.

Leider sind auch da Fehler passiert. Zum Mund-Nasen-Schutz gab es von Beginn an zu wenig klare Signale: Ages-Experte Franz Allerberger zog gar in einem Interview im "profil" den Nutzen des Maskentragens in Zweifel. Repräsentanten des Staates - von Beamten in Uniform bis hin zu Parlamentariern - missachteten das Maskengebot. Dabei konnten sich die völlig nutzlosen Minivisiere einbürgern, deren Träger wohl auf den Placebo-Effekt setzen.

Tatsache ist: Die Maske ist das wichtigste Accessoire für die Herbst- und Wintersaison.

Es gibt aber Hoffnung: Auch wenn die Zahl der positiv auf Corona Getesteten heute höher ist als am Höhepunkt der ersten Welle der Corona-Pandemie im Frühling, ist das noch kein Grund zur Panik. Damals war die Covid-19-Dunkelziffer wohl um ein Vielfaches höher als heute. Dazu kommt, dass die Medizin jetzt viel mehr Erfahrung bei der Behandlung von Covid-19 hat als zu Anfang des Jahres - das sollte dabei helfen, die Hospitalisierungsdauer von Patienten zu verkürzen und die Covid-19-Mortalitätsrate zu drücken.

Aber trotz aller Hoffnung: Es wird ein langer, harter Winter.