Jung, männlich, geboren in Mödling, österreichisch-nordmazedonischer Doppelstaatsbürger mit albanischen Wurzeln, radikalisiert in Österreich und im April 2019 verurteilt wegen Mitgliedschaft bei der terroristischen Vereinigung Islamischer Staat, für den er in Syrien kämpfen wollte. Benachteiligt habe er sich nie in Österreich gefühlt, sagte er anlässlich seines Prozesses zum Richter.

Am Montagabend zog der junge Mann, bevor er selbst von der Polizei getötet werden konnte, eine Blutspur des Terrors durch die Wiener Partymeile in der Innenstadt. Viele Menschen wollten die letzte Gelegenheit für ein gemeinsames Abendessen, ein gemeinsames Getränk genießen, bevor um Mitternacht das Freizeitvergnügen in Quarantäne ging.

Dieser Ort und die Art der Bewaffnung samt umgehängtem Imitat eines Sprengstoffgürtels weisen auf eine längere Planung hin. Das Attentat war also kein spontaner Akt, sondern eine kühl gefasste Entscheidung. Noch mehr Tote und Opfer wurden womöglich nur verhindert, weil der Täter zwar zum Töten entschlossen, aber eben doch (noch?) kein ausgebildeter Mörder war. Zudem war er sowohl in der islamistischen Szene als auch den Behörden bekannt. Sogar ein Deradikalisierungsprogramm hatte er nach seiner Verurteilung zu 22 Monaten unbedingter Haft durchlaufen, aus der er schon nach sieben Monaten entlassen wurde.

Der Lebensweg des Attentäters liest sich wie ein Fragen- und Aufgabenkatalog für Politik, Behörden und Gesellschaft: Wissen wir, was wir wissen müssen, über die Möglichkeiten und Gelegenheiten zur stillen islamistischen Radikalisierung in Österreich? Wie steht es mit der Verantwortung von Familie, Freunden und Bekannten, die zu oft lieber wegschauen? Warum verschwand der spätere Attentäter wieder vom Radar der Behörden, nachdem er schon einmal als gefährlich eingestuft und sogar deshalb verurteilt worden war? Sind die bestehenden Programme und Angebote zur Deradikalisierung richtig aufgesetzt, und, fast noch wichtiger, wie wird deren Erfolg oder Scheitern überprüft?

Dieser Anschlag auf Österreich kam aus Österreich. Das kann beim nächsten schon wieder anders sein. Aber es zeigt auch, dass die Gefahr islamistischer Gewalt auch dann nicht verschwinden würde, wenn ab sofort keine muslimischen Migranten oder Flüchtlinge ins Land gelassen würden (was zudem rechtlich nicht möglich wäre). Der Kampf gegen Radikalisierung und Extremismus muss deshalb in Österreich ausgetragen und gewonnen werden. Mit, nicht gegen die Muslime.