Freitag, der 13. März: In einer Pressekonferenz kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz den Shutdown an und sagte, nun sei die Zeit gekommen, dass jeder Einzelne Verantwortung übernehmen müsse. Die Schlüsselvokabel: Zusammen. Gemeinsam. Schützen. Es war die Zeit von "Team Österreich".

Freitag, der
13. November: Die zweite, viel heftigere Corona-Welle umtost die Republik. Am Samstag wird in einer Pressekonferenz der zweite Shutdown verkündet. Doch diesmal ist alles anders: In Vorarlberg werden bereits Herzinfarkt-Patienten nach Bayern gebracht. Die Intensivstationen sind in einigen Bundesländern bereits voll - und das Schlimmste steht erst bevor.

Wie konnte es dazu kommen, dass die zweite Welle Österreich mit solcher Wucht trifft? Ist das "Team Österreich" träge geworden, selbstgefällig, uneinsichtig?

Die Stimme des Bundeskanzlers von Ende März hat man noch im Ohr: "Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist." In der ersten Welle blieb Österreich weitgehend verschont. Jetzt, in den dunklen Novembertagen mit täglich fast 10.000 Neuinfektionen, könnte Kurz mit seiner düsteren Prognose diesmal recht behalten.

Das Unvermögen, die zweite Welle zu reiten, ist die Schuld von Regierenden und Bevölkerung gleichermaßen. Bundesregierung, Landesregierungen und Behörden haben es über den Sommer verabsäumt, die Republik auf die Herbst- und Winter-Herausforderung vorzubereiten. Weder wurden die IT-Systeme up-to-date gebracht noch das Tracing & Tracking oder die Test-Strategie optimiert. Korea kann es, warum kann Österreich es nicht?

Aber auch in Teilen der Bevölkerung fehlt das Verständnis für den Ernst der Lage: Masken tragen, Sozialkontakte einschränken, Abstand halten, Hände waschen, für gut gelüftete Räume sorgen - diese einfachen Regeln sind offenbar für viele zu kompliziert, zu mühsam oder schlicht Ausdruck einer übertriebenen Hygiene-Hysterie.

Dass etwa Servus TV dem Fehlverhalten von Corona-Leugnern und -Verharmlosern Legitimation gibt, indem der Sender Corona-Quartett-Knallchargen pseudowissenschaftlichen Unfug verbreiten lässt, ist da auch nicht hilfreich. Ein gesellschaftlicher Mangel, der den Kampf gegen das Sars-CoV-2-Virus so schwierig macht: Solidarität und Rücksichtnahme sind für manche Menschen in der Ego-Gesellschaft zu Fremdwörtern geworden. Dazu kommt: Die Verantwortungsdiffusion in einer komplexen Gesellschaft führt dazu, dass der Einzelne seinen Beitrag zur Lösung eines Problems der Gesamtgesellschaft negiert.

Es wird Zeit, dass das "Team Österreich" wieder zu alter Form zurückfindet. Zusammen. Gemeinsam. Schützen.