Mit der Wahl von Joe Biden zum 46. US-Präsidenten folgen nun auch die USA dem Bekenntnis Chinas, der EU, Japans und Südkoreas, bis zum Jahr 2050 ein Null-Netto-Emissionsziel für Treibhausgase zu erreichen. Das ist ein wichtiger Schritt für die globale Klimapolitik: Denn damit ist die Chance intakt, das Ziel des Pariser Klima-Abkommens zu erreichen. Aber auch für die USA selbst ist Bidens Ankündigung ein Signal: Denn trotz Donald Trumps Nähe zur Öl- und Gaslobby war den Wirtschaftseliten Amerikas klar, dass mit einem Festhalten an überkommenen Energieträgern die Wettbewerbsfähigkeit der USA gegenüber den wichtigsten Konkurrenten in Ostasien und der EU längerfristig sinkt. In Kalifornien - Firmensitz des Elektroauto-Giganten Tesla - wollte man deshalb - Trump hin oder her - ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen und in Millionenstädten wie Chicago oder New York werden längst die Netze für das Laden von E-Autos vorbereitet.

Angesichts der Corona-Krise ist die drohende Klimakatastrophe etwas aus dem Fokus gerutscht: Aber die Pandemie hat gezeigt, wie gefährlich es sein kann, bekannte Risiken nicht ernst zu nehmen. Man kann die Bedeutung des nun anstehenden Energie-Regime-Wechsels gar nicht überschätzen. Ganze Industrien werden umgekrempelt werden, die Verkehrsinfrastruktur wird sich radikal ändern - und damit das Bild der Metropolen. Wenn 2030 leise und emissionsfreie E-Autos das Straßenbild beherrschen werden, wird das Leben in der Nähe von Verkehrshöllen wie etwa am Wiener Gürtel erstmals seit den 1950er Jahren wieder erträglich. Die Lebensqualität in den Städten wird von Los Angeles über Shanghai bis Wien, Berlin und Lissabon deutlich steigen.

Die neue Energie-Geopolitik wird das Antlitz der Welt ändern: Die politische Bedeutung der Länder am Persischen Golf und anderer Öl- und Gasförderländer sinkt, während Länder mit moderner Verkehrsinfrastruktur und hoher Energieeffizienz im Vorteil sind.

Derart radikale Umwälzungen finden nur alle 100 Jahre statt: Das letzte mal war das der Fall, als Kohlenwasserstoffe Kohle als Energieträger abzulösen begannen.

Und dieses mal? Der Bau von Windfarmen und Photovoltaikanlagen, Wärmedämmung, der Austausch ganzer Fahrzeugflotten, der Ausbau von Schienen-Netzen und smarten Stromnetzen versprechen Milliarden-Investitionen und die Schaffung von Millionen von Arbeitsplätzen. Insgesamt hinken die USA in vielen dieser Bereiche Europa und auch China hinterher - die Energieeffizienz der US-Wirtschaft ist nicht beeindruckend. Man kann aber davon ausgehen, dass die USA sich anstrengen werden, das rasch zu ändern.