Beim letzten Mal, 2014, hat es nicht geklappt. Da haben die Schotten über ihre Unabhängigkeit von London abgestimmt, aber 55 Prozent waren dagegen. Zuvor hat die britische Regierung, - damals war der Konservative David Cameron Premier – ihr o.k. für das Referendum gegeben.

Michael Schmölzer
Michael Schmölzer

Seitdem ist einiges passiert: Großbritannien ist aus der EU ausgetreten, damit muss automatisch auch Schottland die Gemeinschaft verlassen. Hier ist aber die Mehrheit der Bevölkerung pro-europäisch und das ist nur einer der vielen Punkte, wo Edinburgh und London komplett unterschiedlicher Auffassung sind.

Im kommenden Mai wird in Schottland ein neues Parlament gewählt. Sollte die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon mit ihrer Scottish National Party (SNP) die Wahl gewinnen - und davon ist auszugehen - dann will sie wieder über eine Abtrennung von London abstimmen lassen. Es zeichnet sich ab, dass diesmal eine Mehrheit für die Unabhängigkeit stimmen würde.

Ohne offizielle Erlaubnis aus London kann das Referendum freilich nicht stattfinden. Sturgeon will es "erzwingen" und hat zwei gute Argumente auf ihrer Seite: Erstens hat London zuletzt in den Verhandlungen mit der EU eindrucksvoll demonstriert, dass man von rechtlich verbindlichen Vereinbarungen nicht viel hält und bereit ist, diese leichtfertig zu brechen. Ein eigenes Gesetz ist unterwegs, das den mit der EU geschlossenen Vertrag zur irisch – nordirischen Grenze hinfällig machen würde. Warum also sollte eine "Rechtsbeugung" den Schotten nicht auch gestattet sein? Und zweitens müssten doch gerade die Engländer Verständnis haben, wenn sich ein Land daran macht, sich per Volksentscheid aus einem größeren Verband zu lösen.

Es ist damit zu rechnen, dass der Konflikt zwischen London und Edinburgh demnächst in die heiße Phase geht. Und der britische Premier Boris Johnson stolpert damit von Krise zu Krise. Zunächst hat die Corona-Pandemie das Land heftig getroffen, dann droht ein harter Brexit, der eine Katastrophe für die britische Wirtschaft wäre. Und dann ist der Tory mit einem möglichen Zerfall des Königreiches konfrontiert. Aussichten, die man in der Tat nicht als rosig bezeichnen kann.