In einer idealen Republik mündiger, verantwortungsbewusster, informierter Bürgerinnen und Bürger bräuchte es keinen Lockdown. Die Bewohner des Lands der Träume würden kontrolliert ihre Kontakte einschränken, umsichtig den Babyelefanten-Abstand wahren, den Mund-Nasen-Schutz akkurat tragen und die "Stopp Corona"-App am Handy installieren. Sie würden sich regelmäßig testen lassen und beim geringsten Verdacht einer Infektion in Selbstisolation begeben: Wer sich schützt, schützt auch die anderen.

Doch in der real existierenden Gesellschaft gibt es Ignoranz, Unachtsamkeit, unsolidarisches Verhalten und schlicht . . . Pech. Dazu kommt, dass es auch für die, die alles richtig machen, die aufpassen und das Virus ernst nehmen, keinen hundertprozentigen Schutz gibt - weder für sie noch für ihr Umfeld.

Denn: "Das Virus kennt kein Weihnachten und würde uns auch keine Geschenke machen", sagte unlängst die Virologin Sandra Ciesekvom Universitätsklinikum Frankfurt in der seit März legendären, pandemiebegleitetenden Podcast-Reihe "Coronavirus Update" des deutschen Radiosenders NDR.

Nun taumelt Österreich also in den bereits dritten Lockdown - wobei Shutdown wohl der korrektere Anglizismus ist: Denn Lockdown, das war, als China am Beginn der Pandemie die Bevölkerung in der Volksrepublik strikt anwies, zu Hause zu bleiben und über 780 Millionen Menschen im Land Reisebeschränkungen verhängte.

Shutdown also.

Doch wie ist es dazu gekommen? Hat man verabsäumt, die vulnerablen Gruppen besser zu schützen, die Pflegeheime und Sozialeinrichtungen, aber auch die Schulen über den Sommer besser gegen das Sars-CoV2-Virus zu rüsten? Vielleicht hat die Regierung zu spät reagiert und hätte die Maßnahmen früher verschärfen sollen. Vielleicht war der zweite Shutdown zu kurz oder die Kommunikation der Regierung zu unpräzise und zu widersprüchlich.

Vielleicht sind viele Bürgerinnen und Bürger aber auch pandemiemüde und haben 40 Wochen nach dem ersten Shutdown im März schlicht und einfach resigniert.

Resignation ist aber keine Option.

Gerade jetzt, wo eine effektive Impfung gegen Covid-19 in Griffweite ist und damit tatsächlich ein Licht am Ende des Tunnels aufflackert.

Am 13. März, jenem verhängnisvollen, scheinbar Jahre zurückliegenden Freitag, dem 13., als der erste Shutdown in Österreich verkündet wurde, stand in der "Wiener Zeitung" zu lesen: "Was nun vor den Menschen liegt, ist kein kurzer, schneller Sprint, sondern ein langer, mühsamer Marathon." Das Erfolgsgeheimnis beim Marathonlauf: Durchhaltewille und schlaue Einteilung der Kräfte.