Weihnachten ist da, und zu diesem Anlass wollen viele Freude schenken, Barmherzigkeit zeigen, schlicht helfen. Deshalb ist nichts falsch an der Aufnahme einer symbolischen Zahl an Flüchtlingen aus dem berühmt-berüchtigten Lager auf Lesbos.

Faktisch würde sich in Österreich dadurch nichts ändern, und auch nichts an der Gesamtlage aller Flüchtlinge. Trotzdem stimmt, dass eben Einzelnen sehr wohl geholfen wäre - und ein Einzelner ist eben nicht nichts.

Angesichts der zahlreichen Berufungen auf den Kern des christlichen Glaubens und die Lehren Jesu Christi in dieser Sache darf einen dennoch ein Gefühl des Unbehagens beschleichen. Denn es entspricht nicht der Idee des Christentums, keinen oder fast keinen Unterschied auszumachen und sich mit einer Geste zu begnügen.

Einen Unterschied auszumachen, würde bedeuten, ein Problem an seiner Wurzel zu packen. Was wiederum sehr schnell zu Verwunderung über die hierzulande grassierende Selbstbespiegelung führen müsste: Die Gegner wie die meisten Befürworter einer symbolischen Geste sind in der Befindlichkeit der kleinen österreichischen Welt gefangen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Schicksal der Flüchtlinge vorrangig Mittel zum eigenen Zweck ist. Man würde sich gerade zu Weihnachten wünschen, hier falsch zu liegen.

Dabei wird übersehen, dass dem Christentum eine Radikalität zugrunde liegt, die einer Kampfansage an den Status quo gleichkommt. Sogar den Kirchen fällt es schwer, den Spagat zu schaffen, der sich daraus für ihre Verankerung in der Mitte der Gesellschaft ergibt. Zumal die allgegenwärtige Zurückdrängung (und bewusste Auslassung) der transzendentalen Botschaft von der Erlösung nach dem Tod die Lebensbedingungen im Hier und Heute in den Fokus rückt.

Hier bewegt sich der Glaube auf dem Terrain der säkularen Politik, wo Mehrheiten die Stelle von Wahrheiten einnehmen. Glaube und Politik können einander gegenseitig befruchten, aber auch auf Kollisionskurs geraten. So gesehen empfiehlt sich solide Distanz.

Wie könnte also eine Weihnachtsbotschaft lauten? Helfen, wo man helfen kann und die Hilfe echten Nutzen stiftet, kann nie falsch sein. Selbstverantwortung übernehmen und nicht immer delegieren. Und nicht zur Gänze verdrängen, dass gute Taten von alleine Kraft entfalten und keiner Inszenierung bedürfen, die nur den Gegner oder die eigene Selbsterhöhung im Auge hat. Ein radikalerer Bruch mit der Wirklichkeit ist für 2021 kaum vorstellbar und zugleich maximal unwahrscheinlich.