Immer wieder haben kluge Menschen den Brexit mit einer Scheidung verglichen. Jetzt ist sie durch, das Verfahren ist beendet. Bis zur letzten Sekunde wurde über die Modalitäten gestritten, schier endlos diskutiert und verhandelt. Das hat der Beziehung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien nicht gutgetan. Trennungen sind generell keine schöne Sache. Ein EU-Diplomat bringt es auf den Punkt, wenn er die Stimmung zwischen der EU und den Briten als "wenig freudvoll" beschreibt. Immerhin wollte London sogar die Royal Navy gegen EU-Fischkutter zum Einsatz bringen.

Dass hier eine andere Perspektive möglich ist, zeigt niemand geringerer als der Frontmann der legendären britischen Komiker-Truppe Monty Python, John Cleese: Bereits 2008 meinte der bekennende Brexit-Anhänger, die Scheidung von seiner Frau wäre "sehr, sehr teuer", aber "jeden Penny wert". Vielleicht trifft das auch auf den Brexit zu: Ökonomen werden nicht müde zu betonen, dass die Abspaltung für die Briten - anders als die Scheidung für die Ex-Frau von John Cleese - ökonomisch ein Schuss ins eigene Knie sei. Auch für die EU bringt die ganze Sache wirtschaftlich nur Nachteile. Sie hat aber, und das sei zum Jahresausklang gesagt, doch auch ihr Gutes: Das Beste am Brexit ist, dass das mühsame Verfahren beendet ist. Aus, vorbei, durchgestanden. Auch, wenn allein schon wegen der geografischen Faktenlage Briten und Europäer weiter aufeinander angewiesen sein werden.

Immerhin ist die EU jetzt in der Lage, den Blick wieder nach vorne zu richten und die anstehenden Projekte anzugehen. Und beide Seiten können sich freuen. In London ist man glücklich, der Bevormundung durch Brüssel entronnen zu sein. In Brüssel ist man erleichtert, endlich einen lästigen Bremsklotz vom Bein zu haben. So stehen die Briten dem Ausbau einer autonomen europäischen Verteidigung nicht länger im Weg. Denn bis dato durfte nach Ansicht Londons die Achse zu Washington auf keinen Fall relativiert werden. Auch das von der EU beschlossene gigantische Corona-Hilfspaketen wäre mit den Briten an Bord wohl nicht realisierbar gewesen.

Die Beziehung zwischen Brüssel und London ist nun auf eine neue Basis gestellt: Wer weiß, vielleicht gelingt es, eine neue Partnerschaft aufzubauen. Und das letzte Wort ist ja noch nicht gesprochen. Denn seit Jahrhunderten gehört es zur britischen Gepflogenheit, sich dem Kontinent einmal zu entfremden und dann später wieder anzunähern.