Weniger als 10 Prozent der heimischen Händler bieten im dritten Corona-Lockdown das Modell "Click & Collect" an. Und jene, die es tun, machen es dabei teilweise sich und ihren Kunden unnötig schwer. Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man diese Art des Einkaufs, die nun in diesem Lockdown als Alternative zum kompletten Online-Handel das Wegbrechen der Umsätze durch das erneute Zusperren kompensieren soll, selbst einmal ausprobiert hat.

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Zugegeben, manche großen Anbieter haben ihre Hausaufgaben gemacht und wirken kompetent von der Bestellung bis zur Abholung der Ware vor Ort. Da sieht man die Verfügbarkeit jedes Artikels in jeder Filiale, bekommt eine Benachrichtigung, wann er abgeholt werden kann und darf sich ein Zeitfenster aussuchen, um den Kundenandrang zu kanalisieren. Andere scheinen aber tatsächlich kalt erwischt worden zu sein vom neuerlichen Lockdown. Da kommt es dann zum Beispiel bei einem Sportartikelanbieter mit mehreren Filialen (also kein Ein-Personen-Unternehmen) vor, dass für "Click & Collect" tatsächlich als Abholzeit "Montag bis Freitag 9 bis 14 Uhr" angeben wird - ein Zeitraum also, in dem wohl die meisten Kunden selbst im Homeoffice beschäftigt sind. Und wenn die Bestellung aktiviert wurde, kommt zwar die Benachrichtigung, dass sie unterwegs zur gewünschten Filiale ist. Bloß mit dem Zusatz: "Leider können wir dir keine Benachrichtigung senden, wenn dein Paket abholbereit ist. Überprüfe bitte die Sendungsverfolgung, um zu erfahren, wo dein Paket gerade unterwegs ist." Es folgt ein Link zur Post-Website. Was so viel heißt wie: Wir haben es mit der Post vom Lager zur Filiale weggeschickt, lieber Kunde, mehr können wir nicht tun. Du wirst schon draufkommen, wann du deine Ware abholen kommen kannst.

Der naive Konsument fragt sich da halt schon: Ist diese offenbar nicht seltene Vorgangsweise wirklich sinnvoll, die Filialen einfach komplett dichtzumachen und stattdessen alles aus dem Zentrallager extra irgendwohin schicken zu lassen? Wäre es nicht effizienter, die jeweiligen Filialbestände zum Verkauf anzubieten, und die Kunden fahren halt dorthin, wo sie zeitnah genau das bekommen, was sie gerne hätten? Vor allem, wenn man ohnehin mehrere Filialen hat, die vielleicht gar nicht so weit auseinander liegen? Auf diese Idee wäre man bei einer Bekleidungskette gar nicht gekommen. Denn auf Nachfrage heißt es dort am Telefon: "Nein, ich kann Ihnen nicht sagen, ob wir diese Jeans vor Ort haben. Die Filiale ist ja zu." Eine Aussage, die in Zeiten von digitalisierten Bestandslisten doch für Verwunderung sorgt.

Und so transportiert die Post fröhlich Pakete kreuz und quer, die dann erst recht von den Kunden weitertransportiert werden. Weil nämlich "Click & Collect" für die Käufer gratis ist, während der Online-Versand nach Hause oft bis zu einem gewissen Betrag etwas kostet. Natürlich mag es sein, dass es für manche stationären Händler immer noch billiger kommt, diese Transportkosten zu zahlen als zusätzliche Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen, die in den Filialen das Sortiment für eine Abholung aufbereiten würden. Nur braucht man sich dann nicht zu wundern, dass man keine ernsthafte Konkurrenz zum Online-Giganten Amazon darstellt, der nicht nur auch am Wochenende liefert, sondern dabei auch noch punktgenau vorhersagt, wann das Paket beim Kunden daheim eintreffen wird. Und zwar bei Bedarf mit genauer Angabe der Zwischenstopps, die noch zwischen Zusteller und Empfänger liegen.

Natürlich geht das mit einem ausbeuterischen System einher, in dem die Fahrer sich wahrscheinlich nicht einmal eine Klopause leisten können, ohne das der Big Brother in der Zentrale das sieht. Und so etwas ist auch absolut nicht wünschenswert für die heimischen Handelsangestellten. Viele stationären Händler müssen sich aber trotz allem die Frage gefallen lassen, ob sie in den ersten beiden Lockdowns wirklich alle ihre Hausaufgaben gemacht haben.