Der Lockdown wirkt, nur eben nicht genug. Österreich kann aber - wie jedes Land, das etwas Wohlstand zu verlieren hat - nicht einfach über Monate alles zusperren. Deshalb wird die Regierung dieses Wochenende wohl kleine Lockerungen verkünden und gleichzeitig andere Maßnahmen verschärfen. Quasi der Hammer auf den Solotänzer.

In diese depressive Stimmung passt, dass Pfizer kurzfristig die Impfstofflieferungen für Europa zurückfahren muss, um mittelfristig mehr davon zu liefern. Der nächste Hammer aufs angeschlagene Gemüt im elften Monat der Pandemie. Die Impfung, über Monate hinweg der heiß ersehnte Hoffnungsstrahl am Horizont, ist in Rekordzeit im Jammertal des pandemiegeplagten Alltags angekommen.

Aus dem bangen Hoffen auf die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs wurde schneller, als es sich die Politik offensichtlich vorstellen konnte, die drängende Ungeduld auf die eigene Impfung (oder die von nahen, aber gefährdeten Angehörigen). Geduld fällt umso schwerer, je vermeintlich näher die Rettung ist, und umso schneller kann sie in Wut umschlagen. Mit der Organisation der Impfungen schlägt jetzt der Regierung die gefährlichste Stunde in dieser Krise. Nicht nur in Österreich, sondern quer durch Europa, denn die Schlagzeilen sind fast überall die gleichen.

Die Pandemie an sich mag ein Keulenschlag einer widerspenstigen Natur sein, unser Umgang mit ihr ist es nicht. Umso unverständlicher ist, dass manche daraus kein Wettrennen, keine Rangliste gemacht sehen wollen. Deren Argument: Bei der Zahl der Geimpften, Toten, Infizierten, Getesteten verbiete sich der technokratische Vergleich. Denn jedes Opfer sei gleich viel wert, und aus deren Leid dürfe man keinen Wettbewerb von Staaten und Regierungen machen.

Das ist richtig wie falsch zugleich. Nicht aus dem Leid, aber sehr wohl aus der Leistung von Regierungen, Verwaltungen, Experten und durchaus auch der Bereitschaft der Bürger, Einsicht in das Notwendige zu haben und die Maßnahmen einzuhalten. Die Menschen allein zu abhängigen Variablen der Weisheit und Kommunikationsstärke ihrer Regierungen zu erklären, wäre dann doch eine unzumutbare Entmündigung von allzeit mündigen Bürgern.

Wenn diese Pandemie wenigstens für etwas gut sein soll, dann muss verglichen und gereiht werden, was die zur Verfügung stehenden Daten hergeben, um am Schluss am Beispiel der relativ Besten lernen zu können. Um es beim nächsten Mal besser zu machen. Genau darin, das sicherzustellen, liegt die größte moralische Verpflichtung der Corona-Katastrophe.