Der Lockdown geht weiter. Bis 7. Februar, mindestens. Die angekündigte Öffnung der Schulen ist ebenso abgeblasen, wie die nur erhofften Lockerungen für den Handel. Stattdessen erzwingt die Furcht vor der deutlich ansteckenderen Virusmutation B.1.1.7. zu weiteren Verschärfungen bei Maskenschutz und beim Abstand.

Sämtliche Pläne werden in einer Geschwindigkeit zu Makulatur, die einen nur noch hilf- und ratlos zurücklässt. Was vor zwei, drei Tagen noch kategorisch und behend argumentiert ausgeschlossen wurde, kommt jetzt doch, etwa die Verlegung der Semesterferien in einigen Bundesländern.

Die Floskeln und Metaphern – allen voran das Gerede vom Marathon – zeugen von dieser Rat- und Hilflosigkeit in bedrückender Weise. Auch die neue Zusammensetzung des Corona-Quartetts, das bisher ÖVP und Grüne exklusiv bespielt haben. Am Sonntag traten an der Seite von Bundeskanzler und Gesundheitsminister der rote Wiener Bürgermeister, der schwarze steirische Landeshauptmann sowie ein Experte.

Auch diese, zutiefst vernünftige und längst notwendige Öffnung der politischen Krisenkommunikation ist ein Hinweis, dass die Regierung die Grenzen ihrer Macht einbekennt. Die Regierung ist am Ende ihrer Überzeugungskraft angekommen, jetzt zum ersten Mal, braucht sie auch politisch die Glaubwürdigkeit der Experten.

Wie die Opposition, muss auch der kommentierende, einordnende Journalismus bekennen, so ehrlich muss man sein, dass man darauf zurückgeworfen ist, den Hakenschlägen der Pandemie atemlos hinterher zu keuchen. Berichten, was war und ist, ist das analytische Maximum; jeder Versuch, die Zukunft, und sei es die unmittelbare, zu fassen, sieht sich schnell einer entgegengesetzten Wirklichkeit ausgesetzt.

Sars-CoV-2 degradiert noch die stolzesten und mächtigsten Akteure zum Spielball seiner Launen. Da ist nur noch die Impfung. Eine andere Hoffnung gibt es nicht. Und genau deshalb wäre jeder Fehler in diesem Bereich unverzeihlich, und zwar in jeder Hinsicht.