An diesem Montag endet der harte Lockdown, der Handel öffnet, Museen detto und persönliche Dienstleistungen wie Haare schneiden, Maniküre und Massagen sind wieder zugänglich. Aber weder die teils erheblich verschärften Corona-Bestimmungen noch der Umstand, dass Österreich mittlerweile so viel testet wie kein anderes europäisches Land, vermögen das ungute Bauchgefühl zu verscheuchen.

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".
Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Tatsächlich erfolgen die Lockerungen gegen die erklärte Überzeugung der Epidemiologen. Die neuen, ansteckenderen Mutationen verändern die bisherigen Risiko-Kalkulationen nachhaltig, und nicht zum Nachteil des Virus. Ein neuerlicher Lockdown noch im Frühling ist eine Entwicklung, mit der zu rechnen ist.

Das massiv und auf allen Ebenen und Kanälen ausgeweitete Testregime – in öffentlichen Teststraßen, in Schulen, Betrieben und via Apotheken – ist der Versuch, den unvermeidlichen Anstieg der Infektionszahlen so lange zu beherrschen, bis der Sommer und die Durchimpfung erreicht ist. Testen, so ist zu hoffen, wird demnächst zur täglichen privaten Routine werden, wie das Zähneputzen in der Früh vor dem Verlassen der Wohnung.

Ob diese Strategie das Land ohne neuerlichen Lockdown bis zum Frühsommer führt, ist völlig offen. Wenn nicht, werden sich die Schuldigen mit Sicherheit leicht finden lassen. Die Regierenden auf allen Ebenen stehen zu diesem Zweck praktischerweise allzeit bereit.

Dafür werden sich zudem handfeste Argumente und Gründe ergeben. Zur vollen Wahrheit gehört aber auch, dass in einer Pandemie jede Regierung mehr denn je und auf Gedeih und Verderb auf die Kooperation und den guten Willen der Menschen angewiesen sind. Diese fallen nicht vom Himmel, sondern das Vertrauen will erarbeitet werden. Doch wahr ist eben auch: Im elften Monat einer Pandemie kommt – jedenfalls in Europa - jede Regierung arg gebeutelt und zerrupft daher.