Die kommenden zwei Wochen werden entscheidend sein. Ein Satz, der die Pandemie begleitet wie das sprichwörtliche Murmeltier. Zu hören meist aus dem Mund des Gesundheitsministers, gefolgt von der Bitte an die Bevölkerung, durchzuhalten, Maßnahmen mitzutragen, in einem solidarischen Kraftakt dem Virus die Stirn zu bieten. Denn: Die kommenden zwei Wochen werden entscheidend sein. Entscheidend wofür? Dieser Zusatz bleibt meist vage. Um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, war da noch das konkreteste Ziel. Um gut durch den Herbst/den Winter/die Krise zu kommen, war es meistens. Diese sich in Sachen Glaubhaftigkeit mit jeder Wiederholung ein Stück abschleifende Schleifenrhetorik hat zwei Probleme: Sie untergräbt das von der Bevölkerung in die Regierung gesetzte Vertrauen mit jeder neuerlichen Verwendung. Nach einem Jahr hat sich dieses, laut jüngsten Umfragen, in etwa halbiert. Und der wiederkehrende Satz ist in pandemischen Zeiten leider vor allem eines: zu beinahe jedem Zeitpunkt wahr. Wie schnell Zahlen wieder explodieren können, wie klein der Schritt ist vom Pandemie-Musterschüler zum Hotspot, das zeigen nicht nur Erfahrungen aus Österreich.

Ein Jahr nach dem ersten bestätigten Corona-Fall in Europa ist ein schnelles Ende der Pandemie nicht in Sicht, der gesellschaftliche Kitt, die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung konsequent in das tägliche Handeln zu integrieren, sinkt rapide. Pandemie-Müdigkeit nennt man das. Und die beobachten derzeit selbst die verständnisvollsten Maßnahmen-Umsetzer.

Dass die Zahlen wieder steigen werden, davon gehen nicht nur Expertinnen aus; dass es weiterhin - oder wieder strengere - Einschränkungen geben wird, ist damit klar. Die kommenden zwei Wochen werden entscheidend sein: Das wird als Motivation, die Regeln mitzutragen, nicht mehr funktionieren. Was es braucht, sind messbare und nachvollziehbare Zielvorgaben. Das macht zwar das pandemische Geschehen nicht planbarer, hebt aber die Motivation.

Jüngst schwirrte dazu eine banale wie eingängige Analogie durch die Medien: Es sei leichter, zehn Kilo abzunehmen, als ständig zu hören, man sei viel zu dick und solle sich bitte mehr anstrengen.

Für die Pandemie bedeutet das den Vergleich zwischen dem deutschen und dem österreichischen Weg, zwischen dem Öffnen nach klar kommunizierten (Inzidenz-)Zahlen und dem Hochseilakt, zwischen dem Volkszorn und der Volksgesundheit zu balancieren. Letzteres ist das Sitzen auf zwei stets explosionsbereiten Druckkochtöpfen.

Die Corona-Krise wird andauern. Doch das Warten auf ihr Ende macht eines erträglicher: Wissen, worauf man (als Nächstes) wartet.