Eine Idee aus Australien sorgt für Aufregung: Die großen US-Tech-Konzerne sollen einen winzigen Teil ihrer gigantischen Gewinne an Verlage abgeben. Aber warum eigentlich? Eine große Zahl von Medienkonsumenten bezieht ihre Nachrichten heute via Facebook und Google. Die Plattformen verlinken auf die Artikel von Online-Portalen von Zeitungen und profitieren vom Publikum, das ihnen Werbeerlöse beschert, ohne den Verlagen etwas bezahlen zu müssen.

Auf Betreiben der zwei größten Mediengiganten in Australien - Nine Entertainment und News Corp (der Konzern des konservativen Medienzaren Rupert Murdoch) - brachte die dortige Regierung ein Gesetz auf den Weg, das die Plattformen dazu zwingt, Gebühren an Verlage zu zahlen.

Doch Facebook-Chef Mark Zuckerberg beschloss daraufhin, Australien zu unfrienden. Über Nacht gab es für Facebook-Nutzer in Australien keine Nachrichten mehr. Zuckerbergs Kalkül: Keine News, kein Geld an die Verlage. Stephen Scheeler, der Ex-CEO von Facebook für Australien und Neuseeland, vermutete in einem Kommentar im "Sydney Morning Herald", Facebook wolle damit ein Exempel statuieren und andere Regierungen davon abhalten, es Australien gleichzutun.

Doch das könnte nach hinten losgehen: Denn nun gibt es für australische Facebook-Nutzer zwar keine seriösen Covid-19-Informationen mehr, dafür weiterhin paranoide Postings obskurer Verschwörungstheoretiker. Dass Facebook Emotionen nutzt, um diese direkt in User-Engagement - also Kundenbindung - und damit in Profite umzumünzen, hat zuletzt der britische Doku-Regisseur Adam Curtis in seiner verstörenden BBC-Serie "Can’t Get You Out of My Head" thematisiert. Vor einem Jahr war die dystopische Netflix-Doku "Das Dilemma mit den Sozialen Medien" wochenlang Gesprächsthema beim Netflix-Publikum. Der Ruf von Facebook war wahrlich schon besser. Um gegen die relativ harmlose Regulierung zu protestieren, liefert die Plattform mit ihrer Sperre von Medien in Australien der EU und den G7-Staaten gute Argumente für viel weitreichendere Gesetze als jene, die im Parlament in Canberra diskutiert werden. Denn Kartellrechtsexperten nennen das, was Facebook tut: Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung.

Interessanterweise geht Google einen anderen Weg: Der Suchmaschinengigant hat eingewilligt,
63 Millionen Euro an die französischen Verlage zu zahlen, und während Google noch vor wenigen Wochen damit gedroht hat, den australischen Markt angesichts der Gesetzesvorlage zu verlassen, bekommen die Verlage nun Geld. Google hat - im Unterschied zu Facebook - kapiert, dass Regierungen sich nicht gerne erpressen lassen.