Vor einem Jahr hat Finanzminister Gernot Blümel versprochen, alle notwendigen Finanzmittel zur Bewältigung der Corona-Krise in die Hand zu nehmen. "Koste es, was es wolle", sagte er damals. Nach einem Jahr im Corona-Modus sich da schon einiges zusammengeläppert. Bis jetzt hat der Bund 33,539 Milliarden Euro an Corona-Hilfen ausbezahlt oder zugesagt. Und das sind nur die budgetären Kosten der Krise. Die gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten gehen weit darüber hinaus und steigen mit jedem Tag weiter an.

Marina Delcheva ist Leiterin des Ressorts "Wirtschaft" bei der "Wiener Zeitung".
Marina Delcheva ist Leiterin des Ressorts "Wirtschaft" bei der "Wiener Zeitung".

Aktuell sind weiterhin knapp 480.000 Menschen ohne Job und mehr als 487.000 in Kurzarbeit. Die Staatsverschuldung wird laut Fiskalrat heuer auf 87,1 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. 2019 waren es noch 70,9 Prozent.

Dieser Schuldenberg wird weiter wachsen, denn ein Ende ist nicht Sicht. Weder was das Infektionsgeschehen betrifft, noch was die Wirtschaft anbelangt. Laut Wifo ist das BIP in Österreich im Vorjahr um 7,5 Prozent eingebrochen. Heuer soll es sich um magere 2,5 Prozent erholen.

Mit dieser Entwicklung schneidet Österreich im EU-Vergleich schlecht ab. Denn während im ersten Lockdown die Einbrüche noch im EU-Schnitt lagen, ist im vierten Quartal des Vorjahres die heimische Konjunktur mit minus 4,3 Prozent so stark eingebrochen wie in keinem anderen EU-Land.

Im Finanzministerium argumentiert man die heftigen Einbrüche gern mit Österreichs Abhängigkeit vom (Winter-)Tourismus, der heuer ein Totalausfall war. Immerhin macht der Sektor laut Wifo 7,3 Prozent der heimischen Wirtschaftsleistung aus.

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht erklärt. Denn im Vergleich zu Deutschland ist zum Beispiel auch der heimische Einzelhandel, trotz ähnlicher Lockdown-Länge, stärker eingebrochen. Gleiches gilt für den Bau und die Industrie.

Dann ist da noch die Sache mit der Stimmung. Und die ist am Boden, 33 Milliarden Euro an Hilfen hin oder her: die Ungewissheit, wann gelockert und wann wieder zugesperrt wird, wann endlich flächendeckend geimpft wird, wann wir wieder reisen können, wann oder wie lange noch manche von uns einen Job haben. Investitionen, Innovation, Konsum, das alles lebt von der Aussicht auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Nach einem Jahr Lockdown, einmal mehr, einmal weniger, fragt sich jeder und jede: Wie lange noch? Natürlich gibt es keine einfache Antwort darauf: zu viele Mutationen, zu hohe Infektionszahlen, zu wenige Impfungen. Die Regierung muss aber langsam den Schalter für das Licht am Ende des Tunnels finden und wieder ein Gefühl von Hoffnung vermitteln statt der immer gleichen Schuldzuweisung. Denn das BIP wächst mit der Hoffnung.