Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca steckt mit seinem Impfstoff AZD1222 in einer schweren Vertrauenskrise: Bulgarien, Dänemark, Irland, Island, Niederlande, Norwegen und Schweden hatten bereits vergangene Woche die Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin ausgesetzt, am Montag folgten Deutschland, Frankreich, Italien, Lettland, Luxemburg, Portugal, Slowenien und Spanien. Großbritannien setzt den Impfstoff weiter ein, auch Österreich hält zumindest derzeit an diesem Vakzin fest. In den USA ist es noch nicht zugelassen - im April wird mit einer Entscheidung der US-Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) gerechnet.

AstraZeneca hat im Zulassungsprozess von A bis Z gepatzt: Eine zu kleine Zahl älterer Teilnehmer bei den klinischen Tests legte den Keim des Zweifels, ob das Vakzin bei über 65-Jährigen wirksam sein würde. Und ein verwirrendes Testdesign war der Grund für anfängliches Misstrauen seitens der EU-Arzneimittelbehörde EMA (European Medical Agency).

Dazu kamen nicht eingehaltene Liefervereinbarungen mit der EU - in Brüssel beklagte man die Bevorzugung Großbritanniens bei der Belieferung.

Ungeachtet dieser Kalamitäten sollte man trotzdem nicht übersehen, dass der Impfstoff wirksam schwere Covid-19-Verläufe und möglicherweise auch die Übertragung des Virus verhindert. Der AstraZeneca-Impfstoff ist und bleibt einer der wichtigsten Bausteine der europäischen und österreichischen Impfstrategie.

Die schrille Hysterie um das Vakzin sollte wieder einer rationalen Debatte weichen: Nun geht es darum, rasch zu klären, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Fällen von Sinusvenenthrombose und der Verabreichung des Impfstoffs gibt. Mögliche Nebenwirkung der Impfung müssen seriös diskutiert werden: Kopfschmerzen, Fieber und ein Gefühl von Unwohlsein sind für viele Geimpfte der Preis für die Erlangung der Immunität gegen das Sars-CoV-2-Virus. Doch diese Symptome sind immer noch besser als eine Infektion mit Covid-19.

In der öffentlichen Diskussion um den Impfstoff AZD1222 kommen statistische Fakten zu kurz: So ist etwa die Thrombosegefahr bei der Schwangerschaftsverhütungspille größer als bei der Corona-Impfung. Die gereizte Gesellschaft droht jegliches Augenmaß zu verlieren: "Todesdrama vor der Impfstraße" - so lautete vor einigen Tagen der Seite-1-Titel eines Kleinformats über den Herz-Kreislauf-Stillstand einer 58-Jährigen beim Austria Center in der Donaustadt. Die Frau starb tragischerweise beim Warten auf ihre Impfung. Was bei manchen im Publikum aber hängen bleibt, ist: "Todesdrama" und "Impfstraße" - ein Drama, dass dieser Zusammenhang hergestellt wird.