Die Zahl der belegten Intensivbetten liegt mittlerweile bei rund 400. Das entspricht etwas mehr als 40 Prozent der insgesamt zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Laut Berechnungen der Expertenstäbe wird diese Zahl bis Ende März auf 515 ansteigen.

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".
Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Das klingt, gemessen an der Gesamtzahl an Intensivbetten, noch nicht wirklich dramatisch. Doch bei diesen Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte für ganz Österreich. Entscheidend ist, dass Regionen im Osten des Landes erneut gefährlich nahe an die Überlastungsgrenze vom vergangenen Herbst heranrücken – und womöglich darüber hinaus.

Wie sehr die Republik bereits jetzt ins Risiko geht, macht ein Vergleich mit Deutschland deutlich. Hier hat die Sieben-Tage-Inzidenz nun den Wert von 100 überschritten, weshalb Bund und Länder am Montag über die Verlängerung des Lockdowns bis nach Ostern samt regionalen Verschärfungen diskutieren. In Österreich, dessen Wert bei über 230, im Osten sogar bei um und über 300 liegt, ertönt der Ruf nach Öffnungsschritten für die Gastronomie.

Angesichts des eindringlichen Appells von Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Sonntag, rücken Lockerungen noch vor Ostern eher ins Reich der Fantasie. Auch in Österreich konferieren Regierung, Länder, Opposition und Experten am Montag. Der Trend geht dabei eindeutig in Richtung regionaler Verschärfungen.

Zwar verharren die Sterbefälle dank der weitgehenden Durchimpfung der Pflegeheime und Über-80-Jährigen auf erfreulich niedrigem Niveau, doch die britische Variante des Coronavirus ist längst dominant. Das erhöht das Risiko für einen schwerwiegenderen Verlauf auch für deutlich Jüngere.

Das Problem ist, dass die jetzt stark steigenden Infektionszahlen sich erst in drei Wochen in steigenden Intensivfällen zeigen werden. Diese zeitliche Verzögerung verleitet zu einer fahrlässigen Unterschätzung des Risikos, das in den nächsten Wochen auf das Gesundheitssystem zurollt. Dieser Hang zur Unterschätzung ist der stärkste Verbündete von Sars-CoV-2.

Ein Zurück zum harten Lockdown kann aus mehreren Gründen nicht die Lösung sein. Zu groß ist mittlerweile die Zahl jener, die bewusst gegen die Schutzmaßnahmen verstoßen, zu hoch auch die sozialen wie ökonomischen Kosten. Testen, Kontaktverfolgung, Isolation von Infizierten und Impfen, Impfen, Impfen, sind die Gegenmittel. An gezielten regionalen Verschärfungen führt in den kommenden Wochen dennoch kein Weg vorbei.