Die Entscheidung, wer Kanzlerkandidat der Union für die deutsche Bundestagwahl im Herbst wird, kommt jetzt in die entscheidende Phase. Das Rennen um die Nachfolge von Angela Merkel hat sich auf die zwei Parteichefs von CDU und CSU, Armin Laschet und Markus Söder, reduziert, die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen respektive Bayern.

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".
Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Am Sonntag hat Söder, der Bayer, bei einem Treffen der beiden Fraktionen in Berlin seinen Hut mit einem sinngemäßen "Ja, ich will, wenn ihr mich wollt" offiziell in den Ring geworfen. Von Laschet weiß man schon länger, dass er ins Kanzleramt drängt.

In normalen Zeiten und nüchtern betrachtet, gäbe es kein Duell. Die CSU ist eine Regionalpartei, die absolut betrachtet bei den Wahlen 2017 gerade einmal auf etwas über 6 Prozent im Bundestag gekommen ist; damit ist sie nur halb so stark wie die rechtsextreme AfD und deutlich schwächer als FDP, Linkspartei und Grüne; mächtig macht die CSU erst die Union mit der CDU, deren Stimmenanteil 27 Prozent beträgt.

Zwei Mal hat die Union in der Vergangenheit einen Kandidaten der CSU zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten gemacht, beide Mal setzte es eine Niederlage. Mit ausschlaggebend war jedes Mal der Umstand, dass ein Kanzler-Kandidat des deutlich kleineren Partners beim deutlich größeren auf Akzeptanzprobleme stößt, die die Kampagnen- und Mobilisierungsfähigkeit der Union deutlich schwächte.

So gesehen wäre ein Kanzlerkandidat Söder ein erhebliches Risiko, das – zumindest bisher – noch nie gut ausgegangen ist. Gute Umfragewerte hatten auch Franz Joseph Strauß und Edmund Stoiber zum Zeitpunkt ihrer jeweiligen Kür – so wie jetzt auch Markus Söder.

Und was wird aus Laschet, dem Parteichef der stärksten Kraft, wenn Söder Kanzler werden sollte? Wie würde die Machtbalance zwischen CDU und CSU, zwischen Hund und Schwanz, dann aussehen? Dafür gibt es keine Blaupause. Dass es kompliziert werden würde, ist aber offensichtlich.

Die Unwägbarkeiten der Pandemie und die auch in Berlin zahlreichen Pannen im Krisenmanagement machen den lange Zeit als ungefährdet geltenden Wahlsieg der Union aus heutiger Sicht zur Zitterpartie. Anders als die Grünen, deren Höhenflug auch die Pandemie nichts anhaben konnte, bläst der Union der Wind steif ins Gesicht. Dass einzelne Abgeordnete von der Pandemie auch finanziell profitieren wollten, hat CDU wie CSU schwer geschadet.

Wer auch immer Kanzlerkandidat der Union wird, muss mit der Überfrau im Kanzleramt zurechtkommen. Angela Merkel wird bis zur Angelobung ihres Nachfolgers im Amt bleiben. Und dass sie nicht gewillt ist, dem Neuen die Bühne allein zu überlassen, hat sie wiederholt deutlich gemacht. Merkel wird eifersüchtig über ihr politisches Erbe wachen. Laschet wie Söder können nur mit Merkel gewinnen, nicht gegen sie.

Nach 16 Jahren Merkel erfolgt der Machtwechsel im größten und mächtigsten EU-Mitgliedsland in höchst volatilen Zeiten. Ob die K-Kandidaten von Union, Grünen und SPD auch Kanzler können, wird sich erst im Amt herausstellen. Das ist längst nicht mehr ungewöhnlich, trägt aber auch nicht wirklich zur Beruhigung in unruhigen Zeiten bei.