Verraten, verkauft, verkommen - das waren nur einige der Adjektive, mit denen die von zwölf Fußball-Spitzenklubs angestrebt gewesene Super League bedacht worden war. Nun beugten sich zahlreiche Vereine dem Druck und zogen sich von dem Projekt zurück. Als Hardcore-Verfechter der von der US-Bank JP Morgan unterstützten Idee blieben nur noch Real Madrid und Juventus Turin übrig - was vorerst das Aus der Pläne bedeutet. Europa- und Weltverband jubilieren, die Fans ebenso. Man habe den Fußball zurück, tönte es bei spontanen Kundgebungen auf den Straßen und im Internet.

Doch ist das wirklich so? Wohl kaum. Viel realistischer scheint, dass dem Freudenrausch bald die Ernüchterung folgt. Real und Juve - dessen (angezählter) Präsident Andrea Agnelli die beiden Klubs "Blutsbrüder" nannte - wollen die Pläne weiter vorantreiben, wenn auch in modifizierter Form und im Dialog mit Uefa und Fifa. Diese wiederum ließen in den vergangenen Jahren ohnehin kaum eine Gelegenheit aus, den reicheren Klubs entgegenzukommen, weitere Zugeständnisse dürften folgen. Auch die erst am Montag beschlossene Reform der Champions League ab 2024 geht in diese Richtung. Zwar wird es mehr Startplätze geben, aber auch mehr Garantien für die Elite. Dazu laufen laut "Bloomberg" gerade Beratungen mit Investoren über ein neues Finanzierungspaket im Umfang von sage und schreibe 6 Milliarden Euro. Dass sich ausgerechnet diese beiden Vereinigungen nun als Hüter des reinen Sports feiern lassen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Waren es nicht sie, die durch Expansions- und Gewinnmaximierungsdrang ein Monster erschaffen haben, das ihnen nun über den Kopf zu wachsen drohte; denen es dank ihrer Hybris wie dem Zauberlehrling geht, der die Geister, die er rief, nicht loszuwerden scheint?

"Zurück bei den Fans" ist der (Spitzen-)Fußball jedenfalls noch lange nicht. Sie werden weiterhin überteuerte Ticketpreise zahlen müssen und die meisten Spiele im TV und Internet nur hinter Bezahlschranken sehen können. Sie werden weiterhin zu Großereignissen in Länder reisen müssen, in die sie sonst wohl nie einen Fuß setzen würden. Die Macht von Markt und Politik, mit denen Uefa und Fifa schon lange eine unselige Allianz eingegangen sind, wollen es so.

Auch jetzt war es nicht der Aufschrei der Fans, der zum Rückzug führte, sondern der Druck aus Politik und Wirtschaft, nachdem zahlreiche potenzielle Medienpartner eine Zusammenarbeit abgelehnt hatten. Sie alle verfolgen weniger das Interesse der Fans denn vielmehr ihr eigenes. Verraten, verkauft und verkommen ist der Spitzenfußball nicht erst seit dieser Woche.