Frauen hatten und haben in der Arbeitswelt das Nachsehen. Die Corona-Krise lenkte den Fokus auf die Systemerhaltenden, den Handel, Pflegeeinrichtungen und Spitäler, Kinderbildung und Betreuung. Der anfängliche Beifall für die Mehrleistungen und das Arbeiten in größerer Ansteckungsgefahr wich im Jahr zwei der Pandemie bei manchen immer mehr der Kritik. Selbst aus Spitälern hört man von Aggressionen und sogar körperlichen Übergriffen auf das Personal - alleine, weil dieses auf das Einhalten von Corona-Schutzbestimmungen pocht.

In diesen Branchen, besonders in der Alten- und Krankenpflege, der Elementarpädagogik und auch der Reinigung sind nach wie vor Frauen die Mehrheit der Beschäftigten - trotzdem müssen sie und ihre Vertretung den politischen Blick mühsam für ihre Anliegen schärfen.

Als die türkis-grüne Bundesregierung den Corona-Bonus für die Beschäftigten in den Spitälern einführte, sollten Spitalsärzte und -ärztinnen sowie Pflegekräfte in Krankenhäusern, in Heimen und bei mobilen Diensten je 500 Euro bekommen. Auf die Reinigungskräfte vergaß man im ersten Schritt. Erst nach einem Aufschrei der Gewerkschaften erhalten nun auch sie den Bonus, aber wieder nur jene, die direkt von Krankenhäusern beschäftigt werden. Jene, die zwar genauso in einem Spital mit Covid-19-Gefahren arbeiten, aber über eine private Putzfirma, bleiben wieder außen vor.

Dem Tiroler AK-Präsident Erwin Zangerl, Teil der ÖVP-Gewerkschaftsfraktion ÖAAB-FCG, ist zwar aufgefallen, dass die Krise Dauerprobleme von Frauen auf dem Arbeitsmarkt nochmals offenbart: "Die gravierenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in hohem Maße ungerecht." Den SPÖ-Antrag für ein eigenes Arbeitsmarktpaket speziell für Frauen lehnte die ÖVP im Nationalrat aber erneut ab.

Gegen den ebenfalls bereits seit Jahren beklagten Mangel an Fachkräften in Kindergärten hat die Regierung nun eine Ausbildungsoffensive gestartet, quer über alle Qualifikationsniveaus. In der Gesundheits- und Krankenpflege aber wurde das Fachkräftestipendium zwar für jene mit niedrigerer Qualifikation geöffnet. Anders als in der Elementarpädagogik bleibt es jenen, die sich in der gehobenen Pflege mit Studium ausbilden lassen, nach wie vor verwehrt.

Zwar ist Genderbudgeting eigentlich bei jedem Gesetz Pflicht. Nachteile für Frauen auch bei der finanziellen Unterstützung spielen trotzdem erst spät, wenn überhaupt, eine Rolle in der Krisenbewältigungspolitik.