Die paradoxe Republik Österreich - den Begriff hat der Historiker Oliver Rathkolb geprägt - erweist sich als harter Brocken, der sich den Kräften einer gleichmacherischen Europäisierung erstaunlich beharrlich widersetzt. Und wo das Land doch an Eigenart einbüßt, entwickelt es andere Sonderbarkeiten.

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So arbeitet sich eine kritische Öffentlichkeit seit Jahrzehnten daran ab, Verwaltung und Politik die Umwandlung des Amtsgeheimnisses in eine vernünftige Informationsfreiheit abzutrotzen. Eine Lösung ist nicht ausgeschlossen, realistischer ist bloß eine Verbesserung des unbefriedigenden Status quo.

Dass der Zugang zu Akten und sonstigem Geheimwissen eine besondere Form der Macht ist, demonstrierten am Mittwoch einmal mehr der Ibiza-Untersuchungsausschuss und sein einschlägig angeschlossenes politik-mediales Vor- und Umfeld. Was alles, nur nicht verwundert. Schließlich galt es, am Mittwoch die Befragung von Justizministerin Alma Zadic (Grüne) sowie heute, Donnerstag, jene von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) stimmungs- und informationstechnisch aufzubereiten.

Es versteht sich von selbst, dass sich sämtliche beteiligten Stellen ausgiebig darüber wundern, wie diese Informationen bloß den Weg an die Öffentlichkeit finden konnten, wo sie doch eigentlich gar nicht für eine Veröffentlichung bestimmt sein sollten.

Scheinheiligkeit, dein Name ist Politik. Österreich mag ein gravierendes Problem mit einer sauberen, transparenten Form der Informationsfreiheit in Bezug auf das staatliche Verwaltungshandeln haben, ansonsten jedoch bleibt in diesem Staat verlässlich nichts vor der Öffentlichkeit verborgen, wenn nur das parteiische - der Begriff ist nicht auf Parteien im engeren Sinn begrenzt - Interesse groß genug ist.

Um das zu ändern, reichen keine neuen Regeln, es bräuchte eine neue Kultur; und für eine solche benötigt es eher Jahrzehnte als Jahre. Natürlich ließen sich Details adaptieren, etwa die Frage, was alles in einen Ermittlungsakt hineingehört, das dann ja wiederum von den Verfahrensparteien zum eigenen Interesse eingesetzt werden kann, aber selbst wenn, werden bestimmte Informationen bei Bedarf andere Wege ans Licht der Öffentlichkeit finden.

Also hilft nur, den Blick der Bürger für das Gebotene zu schärfen, um Grundsätzliches instinktsicher nicht miteinander zu vermischen. Vor Gericht und Behörden geht es um Recht, nicht um Wahrheit und schon gar nicht um Gerechtigkeit. In der Politik dagegen geht es ums Gewinnen und ums Rechthaben, und zwar ausschließlich. Das ist weder gut noch schlecht, man darf es nur nicht aus den Augen verlieren.