Ein Gespenst geht um in Europa: das Delta-Gespenst. Die Virusvariante lässt die Inzidenzzahlen wieder nach oben gehen, das CoV-Prognosekonsortium und die Ampelkommission warnen davor, dass "mit hoher Wahrscheinlichkeit" eine vierte Corona-Welle auf Österreich zukommt. Immerhin: 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung (3,6 Millionen Menschen) sind bereits geimpft, rund 5 Millionen Menschen in Österreich (also 55,74 Prozent der Gesamtbevölkerung) sind teilgeimpft. Wenn die Impfbereitschaft bis in den Herbst weiter auf hohem Niveau bleibt, dann kann eine vierte Welle vielleicht gebrochen oder ihr zumindest der Schrecken genommen werden.

Aber wie kann das erreicht werden? Ein Impfzwang ist in einer offenen Gesellschaft höchst problematisch, gleichzeitig müssen jene, die bewusst auf die Impfung verzichten, sich darüber im Klaren sein, dass sie im Fall einer Infektion die Verantwortung dafür tragen. Die 3G-Regel wird über den Sommer viele zum Impfen motivieren. Warum? In der Verhaltensökonomik spricht man von einem "Nudge", einem Schubs, mit dem Menschen zu einem bestimmten Verhalten ermuntert werden. Irgendwann - so die Hoffnung der Regierenden - nerven die dauernden Covid-Tests vor dem Besuch von Restaurants, Bars, Klubs oder Kulturveranstaltungen, und die Menschen gehen lieber impfen. Die Neos schlagen sogar vor, die Tests in Zukunft kostenpflichtig zu machen, um so den Druck, impfen zu gehen, zu erhöhen. Für solche Maßnahmen ist es aber zu früh. Man sollte den Menschen noch ein wenig Zeit geben, sich ihre Impfung zu holen.

Für junge Menschen werden nun sogenannte Impfparties organisiert, in den Städten sollen die Migranten-Communitys besonders angesprochen werden. All das ist sinnvoll.

Einige Länder erwägen Impfprämien: Die Menschen sollen mit Geldleistungen "bestochen" werden, sich den Stich zu holen. Das hat allerdings einen Haken: Damit wird eigentlich unerwünschtes Verhalten belohnt - nämlich Impfzögerlichkeit. Die Frage ist berechtigt: Warum sollten dann jene leer ausgehen, die sich bei erster Gelegenheit zum Impftermin angemeldet haben? Und warum sollte man Bürgerinnen und Bürger dafür bezahlen, sich ein potenziell lebensrettendes Serum zu holen?

In jedem Fall ist es noch zu früh, um die FFP2-Masken einzumotten oder die Gurgel-Selbsttests im Medikamentenschrank wegzuschließen. Vorerst gibt es die Aussicht auf einen Sommer wie damals. Naja, vielleicht nicht ganz wie damals. Aber einem "Urlaub mit Köpfchen" - wie Hygieniker Hans-Peter Hutter das nennt - steht nichts im Wege. Wer sehnt sich nicht nach ein wenig Unbeschwertheit - so wie früher, vor der Pandemie?