Es hätte so schön sein können. Die Corona-Krise hat der Politik die Augen geöffnet. Zwischen Wissenschaft und politischen Entscheidungsträgern entsteht auf vielen Ebenen ein Austausch auf Augenhöhe, die durch die Krise (zwangs)geschmiedete Allianz blüht auf zu einer neuen, faktenbasierten Politik, die mit Voraussicht und Maß tragfähige Entscheidungen fällt. Divers besetzte Expertengremien liefern die Fakten, die Politik entscheidet auf der Basis von Evidenzen, im Vordergrund stehen sinnvolle Zukunftsentscheidungen für eine stabile Gesellschaft. Zugegeben eine utopische Vorstellung.

Dass die aus der Not geborene Nähe von Politik und Wissenschaft Einzug finden würde in den politischen Alltag, diese Hoffnung teilten und teilen viele - gerade zu Beginn der Pandemie. Vom Comeback der Wissenschaft war die Rede, einer Hochzeit der Vernunft, der Besinnung auf die unbestechliche Macht der Fakten.

Doch die Pandemiebekämpfung hat bald die Grenzen und Probleme dieser viel gepriesenen Vernunftsehe aufgezeigt: von Wissenschaftern, die in die Rolle der Entscheider gedrängt wurden, über solche, die für politische Zwecke instrumentalisiert wurden, bis hin zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, die - salopp gesagt - politisch passend gemacht wurden. Aktuell ist der Beziehungsstatus kompliziert.

Doch mit den Auseinandersetzungen rund um die Klimapläne der EU und damit der Klimapolitik Österreichs steht schon das nächste Thema im Raum, das das neue aufkeimende Verhältnis von Wissenschaft und Politik auf eine harte Belastungsprobe stellt. Der Einschätzung von Bundeskanzler Sebastian Kurz, die Klimakrise könne mit Intelligenz und Technologie gelöst werden, Bürger müssten sich dafür nicht einschränken, widersprachen führende Klimaforscher prompt. Freilich brauche es neue Technologien, zusätzlich aber soziale Innovation und geeignete politische Rahmenbedingungen. "Es wird die Wundertechnologie nicht geben, die unser System völlig unverändert lasst", betonte etwa Klimaökonom Karl Steininger.

In Sachen Klima ohne wissenschaftliche Expertise politische Entscheidungen zu treffen, grenzt an Wahnsinn. Gleichzeitig liefern Forscher Erkenntnisse, keine gesellschaftlichen Lösungskonzepte. Die Klimakrise wird niemand - wie die Pandemie - im Alleingang lösen, es braucht die Expertise beider Seiten. Und auch das Aufeinander-Zugehen. Weder das Denken in Erdzeitaltern noch das in Legislaturperioden bieten den Planungshorizont, der dem Problem annähernd gerecht wird.