Österreich liegt an der Spitze in Osteuropa und ganz hinten in Westeuropa. Zumindest beim Impfen wird Österreich seiner oft zugeschriebenen Brückenfunktion in Europa vollauf gerecht. Es trifft allerdings auch mentalitätsmäßig den Nagel auf den Kopf. Dies lässt sich auch an der fatalistischen Herangehensweise der Regierenden auf allen Ebenen an die Impfkampagne und an der sich bedrohlich aufbauenden vierten Covid-Welle ablesen.

- © WZ
© WZ

Es war von Beginn an klar, dass nach dem anfänglichen G’riss um die viel zu knappen Covid-Impfstoffe zu Jahresbeginn und der flächendeckenden Bewältigung des Massenansturms ab dem Sommer die entscheidende Herausforderung darin bestehen würde, so viele wie nur möglich zum Impfen zu mobilisieren.

Von einem sorgfältig vorbereiten Plan, der mit Ländern, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft abgestimmt und umgesetzt wird, kann bis heute keine Rede sein. Warum eigentlich nicht? Schließlich wusste jeder um die Herkulesaufgabe, möglichst jeden und jede mit einer neuen - und neuartigen - Impfung gegen eine neue Krankheit zu versorgen. Stattdessen regiert, frei nach Mao, das Motto "Lass hundert Blumen blühen", wo jede Gemeinde, jedes Bundesland mehr oder weniger kreative Ideen selbst entwickelt und umzusetzen versucht, vom Impfen auf dem Mähboot bis an der Supermarktkassa. Am niedrigen Niveau, auf dem die Neuimpfungen stagnieren, konnte bisher keine Idee etwas ändern.

Der offensive Anti-Impfkurs von FPÖ-Chef Herbert Kickl macht dieses ohnehin schon schwierige Unterfangen gewiss nicht einfacher, als Generalausrede für die eigentlichen Verantwortlichen vom Kanzler und Gesundheitsminister abwärts taugt er nicht. Dies deshalb, weil auch die Strategie, durch Verengung der Zugangsmöglichkeiten den Druck auf Ungeimpfte kontinuierlich zu erhöhen, reichlich unkoordiniert zwischen Bund und Ländern verfolgt wird. Dem Kampf gegen die Pandemie ist über den Sommer einmal mehr das strategische Management abhandengekommen.

Mit ähnlichem Laissez-faire geht die Bundesregierung nun die ab Mitte Oktober startenden Auffrischungsimpfungen an, die abgesehen von Wien von niedergelassenen Ärzten durchgeführt werden sollen. Ohne generalstabsmäßig geplante Kampagne - samt Einsatz der digitalen Möglichkeiten, die bereits Geimpften nach dem Stichtag ihrer Zweitimpfung hürdenlos zum dritten Stich zu lotsen -, wird auch dieses Unterfangen zu einer ernüchternden Erfahrung. Es scheint, als ob nicht nur die Bevölkerung des Virus überdrüssig ist, sondern auch die politisch Verantwortlichen.