Am 7. Oktober 2001 fielen die Bomben. Die USA starteten als Vergeltung für die Terroranschläge des 11. September Raketen- und Bombenangriffe gegen die Taliban und Al-Kaida. George W. Bushs Krieg gegen den Terror hatte begonnen. Die Taliban wurden damals mit Hilfe der mit ihnen verfeindeten Nordallianz besiegt, Afghanistan bekam eine Verfassung, ein Parlament, einen Präsidenten. Eine US-geführte internationale Allianz sollte für Stabilität sorgen.

Heute ziehen die letzten US-Soldaten aus Afghanistan ab. Doch was bleibt von Bushs Kriegen? Der Krieg gegen die Taliban fand international durchaus mehr Unterstützung als der Feldzug gegen den Irak - in Afghanistan waren die deutsche Bundeswehr und die französische Armee im Einsatz, während beide Länder in den Worten des damaligen deutschen Außenministers Joschka Fischer "not convinced" waren, dass es belastbare Gründe für ein militärisches Vorgehen gegen Saddam Hussein gab.

Nun, beim unprofessionellen US-Abzug aus Kabul, litt die Allianz erneut: Die USA sind abgezogen, ohne die Europäer näher zu konsultieren - sie hatten die Bedingungen diktiert, nach denen die Nato-Partner beim Krieg in Afghanistan dabei waren, nun diktierten sie die Bedingungen für den Abzug der US-Alliierten. Jene, die schon immer betont haben, dass es Zeit sei für eine strategische Souveränität der EU, bekommen einmal mehr den Beweis dafür geliefert, wie wichtig eine militärische Unabhängigkeit von den USA ist.

Dieser Abzug bringt auch mehr Klarheit über die Sicherheitsdoktrin von US-Präsident Joe Biden: Afghanistan ist nun das Problem der Nachbarstaaten Iran, Pakistan, China und der bis heute eng an Russland angebundenen zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken. In zweiter Linie wird es auch zum Problem der Türkei und der EU, die kein Interesse haben, afghanischen Flüchtlingen sicheren Unterschlupf zu bieten, und auch zum Problem Indiens, eines Erbfeindes Pakistans, das in der Vergangenheit nicht gezögert hat, Terror als Waffe gegen den ver-
feindeten Nachbarn einzusetzen.

Die Zukunft der US-Armee gehört dem Indo-Pacific Command - dort werden längst strategische Optionen durchgespielt, um den weiteren Aufstieg Chinas zur führenden Macht im pazifischen Raum zu verzögern. Darauf wollen die USA nun ihre Kräfte bündeln. US-Präsenz in Kabul spielt dabei keine Rolle mehr. Mit dem Abzug der USA vom Hindukusch endet die Ära des Krieges gegen den Terror - für China-Kritiker in Washington seit Jahren bloß eine lästige Ablenkung. Die USA erkennen nun: Die pazifische Epoche hat begonnen.