Wie lässt sich die Impfquote an die, besser noch über die 80-Prozent-Marke der Impffähigen hochtreiben: Das ist die entscheidende Frage an diesem Punkt der Pandemie, die untrennbar mit dem Ziel, eine Überlastung des Gesundheitssystems zur verhindern, zusammenhängt.

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Zwei aktuelle Umfragen, die an diesem Wochenende veröffentlicht wurden, lassen erahnen, wie hart dieses Brett zu bohren sein wird. Und mit herkömmlichen Strategien der Überzeugung womöglich auch nicht zu erreichen sein wird. Noch so viele Appelle von Gesundheitsexperten, sich doch bitte impfen zu lassen, werden ungehört verhallen, wenn, wie Meinungsforscher Peter Hajek aktuell ermittelt hat (im Auftrag des Privatsenders ATV), 54 Prozent der befragten Ungeimpften eben diesen Gesundheitsexperten und ihrer Expertise keinen Glauben schenken. In die gleiche Kerbe, und noch gravierender im Hinblick auf das 80-Prozent-Ziel, ist die OGM-Umfrage von Wolfgang Bachmayer (im Auftrag des "Kurier"), nach der 75 Prozent der Ungeimpften überhaupt keine Impfung wollen.

Dieser Blick in das Innenleben der Ungeimpften, so divers diese Gruppe und ihre jeweiligen Motive auch sein mögen, macht deutlich, dass mit herkömmlichen Werbe- und Motivationskampagnen eher nicht ausreichend Überzeugungsarbeit geleistet werden kann. Ebenso wird die im Grundsatz richtige Idee, Impfskeptiker im persönlichen Umfeld quasi von Angesicht zu Angesicht in der Familie, im engsten Freundes- und Bekanntenkreis vom Nutzen der Impfung gegen Sars-CoV-2 zu überzeugen, kaum greifen, sollten diese Umfragen die Wirklichkeit treffen.

Wenn es aber 80 Prozent Geimpfte benötigt, um die enormen Kosten an Menschenleben, Lebenschancen und Wohlstand endlich hinter uns zu lassen, dann wird die politische Frage eher früher als später unweigerlich auf die Entscheidung hinauslaufen, den indirekten Druck auf Ungeimpfte bei Zugangshürden nach und nach zu erhöhen.

Eine solche Entwicklung wird alle diejenigen Ungeimpften verbittern und ihre innere Distanz zur Gesellschaft vertiefen, welche die Impfung als unzumutbaren Eingriff in ihr absolutes Recht auf körperliche Unversehrtheit begreifen. Womöglich aber lassen sich auf diese Weise genügend "agnostische" Impfskeptiker zu einem Stich "überreden", die diese zwar nicht gänzlich freiwillig absolvieren würden, aber der zunehmenden Unbequemlichkeiten und Nachteile im Alltag schlicht irgendwann überdrüssig werden.

Etliche Staaten bewegen sich bereits in diese Richtung. Weil sie es für unbedingt notwendig erachten, nicht weil sie es unbedingt wollen. Österreich steht erst am Anfang dieser herausfordernden Debatte. Für einmal ist der Ehrgeiz, bei den Allerersten zu sein, überschaubar. Nach den Wahlen in Oberösterreich und abhängig von den dann absehbaren Entwicklungen bei Inzidenzen und Spitalsbelegungen könnte sich das schnell ändern.