Immerhin einen Unterschied hat Alexander Schallenberg zu seinem Vorgänger vergangene Woche herausgestrichen: Der neue Bundeskanzler hat den Kampf gegen die Pandemie wieder nach ganz weit oben auf der To-do-Liste der Regierung gerückt, nachdem unter Sebastian Kurz das Virus bereits aus den Augen, aus dem Sinn erschien.

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

In Wirklichkekit kommt das ohnehin zu spät: Die Wunschvorstellung, die stabile Entwicklung der Infektionszahlen der vergangenen Wochen könnte auch mit Fortdauer des Herbstes gehalten werden, droht an ihr Ende zu kommen: Seit vergangener Woche ist ein Sprung nach oben bei den positiven Tests zu vermelden. Immerhin ist die Lage in den Spitälern und Intensivstationen unverändert deutlich unterhalb der Überlastungsgrenze, aber der neue Trend wird sich erst in frühestens zwei Wochen in den Spitalsstatistiken niederschlagen.

Umso unverständlicher ist, warum die Bundesregierung nicht längst mit klaren Vorgaben für den Herbst und Winter für Planbarkeit und Rechtssicherheit bei Konsumenten und Unternehmen gesorgt hat.

Seit Ende des Sommers wird hierzulande über 3G – genesen, geimpft oder getestet – am Arbeitsplatz diskutiert. Fast alle Akteure sprechen sich für eine solche Regelung aus, nicht zuletzt, um auf diese Weise die schleppende Impfquote weiter nach oben zu drücken. Anfang Oktober hieß es dann, ab 15. Oktober soll es so weit sein; sogar einen entsprechenden Verordnungsentwurf des zuständigen Gesundheitsministeriums gab es damals schon.

Geschehen ist bis dato trotzdem nichts. Ministerien und Sozialpartner schieben sich gegenseitig den Ball zu, obwohl im Kern Konsens besteht. Doch wie immer spießt es sich daran, wer am Schluss dafür den Kopf hinhalten muss. In Italien ist 3G am Arbeitsplatz bereits Realität – mit Demonstrationen dagegen, aber auch steigender Impfbereitschaft. In Österreich wird darum gepokert, wer am Schluss den Schwarzen Peter in der Hand hält.

Aus den gleichen Gründen verweigert die Regierung dem Wintertourismus noch immer Klarheit über die detaillierten Spielregeln für die bereits anlaufende Skisaison. Angesichts der volkswirtschaftlichen Bedeutung dieses Sektors kann man darüber nur den Kopf schütteln.

In den nächsten Tagen wird sich weisen, ob es Schallenberg gelingt, seine Regierung dazu zu bringen, als Team an einem Strang zu ziehen – und zwar in die gleiche Richtung. Denn warum sollten die Menschen im Land die Pandemie noch ernst nehmen, wenn es nicht einmal die eigene Regierung schafft.