Die EU-Kommission will, dass Investitionen in Atomstrom und Erdgasprojekte als Nachhaltig gelten. Im Entwurf der sogenannten Taxonomie werden diese beiden Quellen der Energieerzeugung als "nachhaltige Investments" klassifiziert, grüne Fonds können demnach in Atom- und Erdgaskonzerne investieren.

Für Atomkraftgegner in Wien und Berlin ist das ein Schlag ins Gesicht: In Deutschland geht die Phalanx gegen die Atomkraft von den Grünen bis zur CSU und auch in Österreich gibt es keine politische Partei, die für die Atomkraft die Stimme erheben würde. Die Fronten sind klar: Die Atomkraftgegner in der EU sammeln sich hinter Berlin, die Kernkraftbefürworter hinter Paris. Bis zum Jahr 2045 soll es noch Genehmigungen für den Bau von Kernkraftwerken geben, demnach würden die letzten Meiler wohl erst 2080 vom Netz gehen. Das Argument, dass bei Atomkraftwerken kein klimaschädliches Kohlendioxid entsteht, mag zwar stimmen, aber die Technologie ist bis heute unversicherbar und es gibt in ganz Europa kein einziges Endlager für die abgebrannten Brennstäbe, die noch tausende von Jahren radioaktiv sein werden. Anstatt Geld in Nukleartechnologie zu pumpen, scheint es doch deutlich vernünftiger, dieses Geld in die Erforschung von Speichertechnologien zu stecken.

Beim Erdgas sieht die Sache schon anders aus: Die SPD hat beste Kontakte zur Erdgaskonzernen und auch in der CDU war Angela Merkel der Ansicht, dass eine tiefe Kunden-Lieferantenbeziehung die Beziehungen zwischen Russland und der EU stabilisiert. Und in Österreich? Für die OMV ist Erdgas zentral, der österreichische Öl- und Gaskonzern ist durchaus auch auf europäische Ebene kein unbedeutender Player. Selbst die EU-Taxonomie kann aber nicht ignorieren, dass Erdgas aus fossilen Quellen stammt, bei der Verbrennung von Erdgas entsteht das Treibhausgas CO2. Zudem entweicht bei der Förderung und dem Transport von Erdgas Methan. Dieses Gas ist noch viel klimaschädlicher als Kohlendioxid. Auf der Habenseite steht freilich, dass bei der Verbrennung von Erdgas weniger Kohlendioxid pro produzierter Energieeinheit entsteht als bei Kohlekraftwerken. Freilich: Laut EU sollen Gaskraftwerke nur noch bis zum Jahr 2030 genehmigt werden, die Infrastruktur (Gaspipelines etc.) soll dann für grünen Wasserstoff genutzt werden. Dumm nur, dass die Wasserstofftechnologie bis heute nicht so richtig vom Fleck kommt.

Die österreichische Umwelt- und Klimaministerin Leonore Gewessler hat angekündigt, mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Pläne der EU-Kommission vorgehen zu wollen. Plötzlich gibt es mit dem Grünen Minister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck, einen mächtigen Verbündeten in Berlin.