Erhard Busek, der am Sonntag im 81. Lebensjahr gestorben ist, hat selten unterschlagen, dass er es besser weiß. Und selbst im Irrtum war er vielen voraus, indem er - stellvertretend für seine Generation - ein Buch unter dem Titel "Was haben wir falsch gemacht?" herausgegeben hat.

- © Luiza Puiu
© Luiza Puiu

Man soll nie eine neue Generation an Politikern allzu direkt mit ihren Vorgängern vergleichen. Meist sind die Umstände, welche die Charaktere, Themen und Herausforderungen prägen, zu unterschiedlich und der eigene Blick ist selten wirklich objektiv. Überhaupt hat sich Politik in einem Ausmaß beschleunigt und mediatisiert, das zwingend auch neue Typen erfordert und befördert. Wir Medien, wenngleich nicht alle im gleichen Ausmaß, zählen nicht nur zu den Treibern dieser Entwicklung, sondern auch zu den Geschädigten. Weil geistarme Politik selten mit geistreichem Journalismus korreliert.

Mit seiner allzeit - und mitunter allzu - spitzen Zunge war Busek ein streitlustiger Intellektueller. Vor allem aber war er ein kühner Denker, der es verstand, seine Ideen in konkrete Politik zu gießen: zu Urbanität am Beispiel der Wiener Stadtpolitik, zu neuen Grenzen und Horizonten am Beispiel Europas, seiner Gegenwart und Vergangenheit.

Busek dachte, warb und werkte für die Idee von Mitteleuropa als einem durch die gemeinsame Geschichte verbundenem Schicksalraum schon zu einer Zeit, als andere das zunächst als Hirngespinst inmitten des Kalten Kriegs und später als illusorisches Konzept zur Wiederherstellung einer österreichischen Vorherrschaft in den einst habsburgischen Ländern verlachten. Während das offizielle Österreich die kommunistischen Machthaber hofierte, knüpfte die "Knackwurst mit Brille" ein Netzwerk an Kontakten mit den intellektuellen Dissidenten, die später in höchste Staatsämter aufstiegen.

Busek verstand es, aus der Geschichte politische Inspiration und Anknüpfungspunkte für Gegenwart und Zukunft zu schöpfen. Wenn heute die Vergangenheit in Politikerreden zum Thema gemacht wird, kommen meist nur Floskeln oder missverständliche Formulierungen heraus, die anschließend erst einmal geradegerückt werden müssen.

Angesichts der dominanten platten Polemiken gerät in Vergessenheit, dass geistreiche Zuspitzung, selbst wenn sie mit einer Prise Bösartigkeit garniert wird, eine wertvolle Erkenntnisquelle sein kann. Insbesondere, wenn es nicht nur um persönliche Untergriffe geht, sondern dabei auch der Finger in die offenen Wunden von Republik und eigener Partei gelegt werden.

In all dem war Busek ein Meister. Er wird dem Land fehlen.