Die Entscheidung der Bundesregierung, verkündet von Gesundheitsminister Johannes Rauch, ab April die Zahl der zur Verfügung stehenden Corona-Gratistest zu beschränken, macht es, wie erwartet, keiner Seite recht. Den einen ist schon die behutsame Reduktion zu viel, den anderen viel zu wenig.

- © Luiza Puiu
© Luiza Puiu

Wie fast immer ist Mitleid nicht angebracht, hat sich doch die Koalition selbst in diese Sackgasse manövriert. Österreich hat enorme Ressourcen mobilisiert, um Weltmeister im Testen zu sein; genau genommen gebührt dieser Titel vor allem den Wienerinnen und Wienern.

Die Kosten für die bisher gigantischen 300 Millionen Tests belaufen sich auf nicht minder gigantische 3 Milliarden Euro. Allerdings hat dieses viele und teure Testen Österreich nicht wirklich besser durch die Pandemie gebracht; andere Staaten mit weit weniger Tests haben ähnlich schlecht oder gut abgeschnitten.

Abgesehen davon, dass selbst ein negativer PCR-Test immer nur eine Momentaufnahme ist, dessen Aussagekraft durch die Omikron-Variante weiter reduziert wurde, hat das maßgeblich damit zu tun, dass sich rund die Hälfte der Bevölkerung gar nie oder nur selten testen lässt.

Das mag subjektiv verständlich sein: Ein negatives Testergebnis gibt einem das Gefühl von Sicherheit, auch wenn das nicht den objektiven Tatsachen entspricht, epidemiologisch jedoch hält sich der Nutzen in überschaubaren Grenzen. Testen ist für die Vieltester zu einer Art Sucht geworden, indem es für ein gutes Gefühl gesorgt hat.

Die Koalition hat sich jetzt für den sanften Entzug entschlossen: Ab April stehen jeder Person immer noch fünf PCR- und ebenso viele, jedoch weniger aussagekräftige Antigentests pro Monat zur Verfügung. Die meisten werden das nicht ausschöpfen, eine Minderheit, vor allem in Wien, womöglich sehr wohl, je nachdem wie viel Aufwand der/die Einzelne betreiben muss, um an die Gratistests zu gelangen. Das Angebot wird auch über die Kostenreduktion entscheiden. Entgegen einer weitverbreiteten Überzeugung wird sich am Ende nämlich zeigen, dass die staatlichen Mittel nicht unbegrenzt fließen können.

Wichtiger als eine wenig effiziente, dafür aufwendige Test-Infrastruktur aufrechtzuerhalten, sind die Vorarbeiten für den Herbst und Winter. Dazu gehört auch eine funktionierende Beobachtung des Infektionsgeschehens, um neue Wellen wie Varianten rechtzeitig zu entdecken. Dafür gibt es effiziente Methoden, etwa Abwasseranalysen. Getestet werden soll dort, wo es sinnvoll und effizient ist. Davon abgesehen volle Konzentration auf die Vorbereitung für eine neue, dieses Mal hoffentlich wirkungsvolle Impfkampagne.