"Wir sind bereit", lautete die Botschaft, die Pamela Rendi-Wagner am Sonntag ihrer eigenen Partei, der SPÖ, wie auch dem Land verkünden wollte. "Wann immer diese Regierung ihre Arbeit beendet, dann werden wir, dann müssen wir alles dafür tun, dass dieses Land wieder sozialdemokratisch regiert wird." Unüberhörbar schwang bei der gut einstündigen Rede der Parteivorsitzenden dabei mit: Sie selbst ist es, die bereit ist.

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung". 
- © Luiza Puiu

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

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Um ihr Ziel zu erreichen, muss Rendi-Wagner die SPÖ hinter sich einen und versammeln. Am Sonntag ist ihr dabei ein kleiner Clou gelungen: Erstmals traten die fünf noch lebenden Alt-Kanzler der Sozialdemokratie – Franz Vranitzky, Viktor Klima, Alfred Gusenbauer, Werner Faymann und Christian Kern – gemeinsam in der Öffentlichkeit auf. Rendi-Wagner war der Stolz darauf durchaus anzumerken. "Das hat es noch nicht gegeben, aber vielleicht hat es dafür ja eine Frau gebraucht", kommentierte die SPÖ-Vorsitzende mit einem Hauch von Selbstironie.

Diese Premiere kann aber auch als Beweis gelesen werden, wie schwer sich die Partei mit ihren Parteichefs und Kanzlern aus der jüngeren Vergangenheit getan hat – mit der großen Ausnahme Vranitzky – und teils noch immer tut. Und durchaus auch die Ex-Kanzler mit ihrer Partei. Hier wurden tiefe Wunden auf beiden Seiten geschlagen. Auch Rendi-Wagner, die nach dem Abgang Kerns eine zutiefst verunsicherte und orientierungslose Partei übernommen hat, kann über die Art des Umgangs in der SPÖ ein Lied singen.

Tatsächlich muss die Vorsitzende der größten Oppositionspartei nicht nur das Land, sondern eben auch ihre Partei davon überzeugen, dass sie das Zeug dazu hat, die nächsten Wahlen zu gewinnen und an den Sehnsuchtsort der Sozialdemokratie, das Kanzleramt, zurückzukehren. Die Umfragen der vergangenen Wochen geben ihr intakte, ja sogar gute Chancen. Die SPÖ liegt stabil vor der ÖVP. Allerdings sind ihre persönlichen Werte schlechter als jene ihrer Partei, bei Karl Nehammer, dem Kanzler und ÖVP-Obmann, ist es genau umgekehrt. Momentan ist dies - in Kombination mit dem Umstand der Kanzlerschaft - der größte Hoffnungsanker der ÖVP in ihrem tränenreichen Tal.

In diesem absehbaren Duell setzt Rendi-Wagner auf ihre persönliche Integrität. "Unser Land braucht Politiker, die anständig sind, die integer sind und die richtig von falsch unterscheiden können", zielte sie unverkennbar auf die große Achillesferse der Volkspartei: die Hinweise und Verdachtsmomente von Amtsmissbrauch und Freunderlwirtschaft als Erbe der Amtszeit von Sebastian Kurz.

Wann immer die nächste Wahl kommen wird, der Wahlkampf ist schon im Gange. Mit ihrer in Stil und Vortrag soliden Rede, die zwar inhaltlich nichts Neues gebracht, aber strategisch doch einen Pflock eingeschlagen hat: Die Partei ist entschlossen, sich geschlossen mit Rendi-Wagner an der Spitze für die kommende Wahl aufzustellen. Hans Peter Doskozil, Landeshauptmann des Burgenlandes, hartnäckiger Kritiker der Parteichefin und mittelgroßer Abwesender der sonntäglichen Rede, wird dies nicht davon abhalten, sich selbst als besseren Kandidaten zu betrachten und im Gespräch zu halten.

Allerdings ist es in der Regel so, dass weniger die Opposition die Wahlen gewinnt, als vielmehr die Regierung diese verliert. Nationalratswahlen sind ein Plebiszit über die Arbeit einer Koalition, vor allem die der Kanzlerpartei, und die übrigen Parteien sind Passagiere auf diesem Zug. Das erklärt auch einen Großteil des Rückenwinds der SPÖ, für den diese selbst gar nicht viel machen musste, es sei denn, gröbere Fehler zu vermeiden. Darin liegt die große, die größte Herausforderung für Rendi-Wagner, will sie es tatsächlich ins Kanzleramt schaffen.