Elon Musk geht es beim Kauf von Twitter um "die Zukunft unserer Zivilisation". Sagt er jedenfalls.

- © Luiza Puiu
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Man sollte solche Aussagen des reichsten Mannes der Welt nicht vorschnell ins Lächerliche ziehen. Der beispiellose Erfolg der superreichen disruptiven Digital-Oligarchen, die vom Silicon Valley aus ihren globalen Siegeszug angetreten haben, wäre ohne die für Normalsterbliche so maß- wie grenzenlose Selbstermächtigung nicht möglich gewesen.

Ökonomisch bewerten Experten den Kauf von Twitter um die Summe von rund 44 Milliarden Dollar als große Wette auf eine ungewisse Zukunft. Tatsächlich ist - jedenfalls auf den ersten Blick - nicht ersichtlich, wie Musk die Einnahmen der einnahmenschwachen Kommunikationsplattform dynamisch entwickeln könnte. Der Multi-Milliardär behauptet denn auch, die wirtschaftlichen Aspekte würden ihn nicht interessieren. Leisten kann er sich diesen Luxus zweifellos.

Wenn nicht noch mehr Reichtum, was hat Musk dann aber mit Twitter im Sinn?

Er selbst formulierte es kürzlich so: Eine öffentliche Plattform, maximal vertrauenswürdig und inklusiv, sei extrem wichtig für die Zukunft unserer Zivilisation. Öffentlichkeit, Vertrauen, Inklusion - das sind Kernbegriffe für jede Demokratie, allerdings ist deren Interpretation politisch umkämpft.

Es kann kein Zufall sein, dass laut einer US-Umfrage 54 Prozent der Republikaner, aber nur 7 Prozent der Demokraten die Übernahme von Twitter durch Musk gutheißen. Die Social-Media-Plattformen sind längst das Schlachtfeld, auf dem die Lagerkämpfe der Politik ausgetragen werden - mit Trollen, echten und gefakten. Wer die Verfügungsgewalt über diese digitalen Plattformen besitzt und die Spielregeln definiert, ist in diesem Zusammenhang eine zentrale Frage von öffentlichem Interesse, weil mit den Emotionen und der Masse auch die Manipulationsmöglichkeiten steigen.

Dabei neigt sich die libertär-anarchische Ära ihrem Ende zu. Vor allem die Europäische Union hat den Ehrgeiz, die Twitter & Co., die Plattformen wie die Nutzer, einem verbindlichen und durchsetzungsfähigen Rechtsrahmen zu unterwerfen. Diese Verrechtlichung und, wenn man so will, Zivilisierung wird die Plattformen der Idee klassischer Medien annähern, samt Entsprechungen für Blattlinien und redaktionelle Gestaltung. Oder aber sie versuchen, sich dieser Regulierung durch die Behörden zu entziehen.

Unzählige Augen werden jedenfalls nun genau verfolgen, wie Musk Twitter verändert und welche Folgen damit einhergehen. Medien sind schließlich keine E-Autos. Da ist es praktisch, dass ohnehin fast alle Journalisten twittern.