Der Fachkräftemangel brennt der Wirtschaft unter den Nägeln; betroffen davon sind nicht nur mitunter schlecht beleumundete Jobs in Hotellerie und Gastgewerbe, in der Pflege sowie bei persönlichen Dienstleitungen, sondern auch gut dotierte Posten in der Industrie. Unter diesem Druck hat die Regierung nun eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte (RWR-Karte) in Begutachtung geschickt.

- © Luiza Puiu
© Luiza Puiu

Dieses Instrument wurde 2011 eingeführt mit dem erklärten Ziel einer Zuwanderungssteuerung. Das Gros der legalen (und illegalen) Migration besteht in Österreich aus wenig bis schlecht qualifizierten Menschen. Mit der RWR-Karte wollte man für Hochqualifizierte und Schlüsselarbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten einen Weg nach Österreich um die immer schärfer werdenden Zuwanderungsgesetze herum schaffen. In nennenswerter Größenordnung hat dies jedoch nie wirklich funktioniert. Der Fachkräftemängel blieb genauso wie der Umstand, dass sich wirklich Hochqualifizierte woanders willkommener fühlen.

Auch die jetzige Reform wird das nicht grundsätzlich ändern. Dass die Arbeitnehmerseite gegen das Vorhaben Sturm läuft - nicht nur, aber auch, weil sie in die Planungen nicht einbezogen wurde -, ist ein Indiz, wie groß der Druck der Arbeitgeber auf die Regierung ist. Aber auch eine verbesserte, vor allem entbürokratisierte RWR-Karte wird den Arbeitsmarkt nicht ausreichend mit den händeringend gebrauchten Fachkräften versorgen. Dazu sind der Mangel zu groß und die Ursachen zu komplex. Zu den wichtigsten zählt der Einbruch bei den Jungen. Österreich kam 1960 bei knapp 7 Millionen Einwohnern auf 126.000 Geburten, 2021 waren es 85.000 bei nun 9 Millionen Einwohnern. Weniger Junge bedeuten auch weniger Facharbeiter, zumal aufgrund der Pandemie das Reservoir an mittel- und osteuropäischen Arbeitskräften geschrumpft ist.

Österreich wird nicht darum herumkommen, die für Wachstum und Wohlstand benötigten Fachkräfte überwiegend selbst auszubilden. Dafür gilt es die nötigen Voraussetzungen zu schaffen und Defizite zu beheben. Wer diese Aufgabe nur ans Bildungssystem delegieren will, wird scheitern. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die in den Familien bei der Bildungs- Ausbildungs- und Berufsentscheidung beginnt und bei der Bereitstellung kontinuierlicher Fort- und Weiterbildungsangebote endet, wobei Politik wie Wirtschaft die dafür nötigen Rahmenbedingungen und Anreize bereitstellen müssen.

Das erfordert von allen Beteiligten einen langen Atem, nur ist dies bekanntlich nicht die stärkste Eigenschaft einer bisher auf Schlagzeilen und Scheinlösungen ausgerichteten Politik.