Der neue Kalte Krieg zwischen der Russischen Föderation und dem Westen könnte für Europa wirklich kalt werden.

Denn der russische Präsident Wladimir Putin spielt offenbar damit, den Europäern diesen Winter die russische Version des Weihnachtsmanns Ded Moroz - Väterchen Frost - zu schicken. Üblicherweise bringt der gutmütige Großvater in der Neujahrsnacht den Kindern Geschenke, doch die Putin-Variante der Märchenfigur soll dieses Mal nicht nur den Kindern in Europa, sondern allen Bürgerinnen und Bürgern der Europäischen Union Dunkelheit und Kälte bescheren.

Der russische Gaskonzern Gazprom hat in den vergangenen Tagen die Gaslieferungen in mehrere europäische Länder gekürzt, was einmal mehr zu Panik und Hyperventilation auf dem europäischen Gasmarkt geführt hat.

Gazprom erklärt, die Lieferkürzungen hätten technische Ursachen, OMV und E-Control in Österreich beruhigen ebenfalls. Aber der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck beschwor in einem via Twitter verbreiteten Videostatement die Bevölkerung, Energie zu sparen. Es gehe um jede Kilowattstunde, denn jeder Kubikmeter Gas, der im Sommer nicht verbraucht werde, könne für den Winter eingelagert werden. Habeck glaubt nicht an technische Probleme, sondern bei den Lieferkürzungen handle es sich um eine politische Botschaft.

Sind Warmduscher denn nun plötzlich auch Putin-Versteher? So weit ist es noch nicht.

Aber: Wem die Argumente von Greta Thunberg bisher nicht genügen, den Konsum von CO2-basierten Energieträgern drastisch einzuschränken, den sollte Putins Drohung mit der Erdgaswaffe überzeugen. Eine möglichst rasche Energiewende nimmt Putin das einzige Druckmittel, das die Russische Föderation neben Atomwaffen besitzt, aus der Hand - denn Europas Abhängigkeit von russischem Öl und Gas finanziert Putins mit irredentistischer Propaganda unterlegten Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Dieser Angriffskrieg - da sollte sich niemand irgendwelchen Illusionen hingeben - betrifft nicht nur die Ukraine: Er befeuert die Inflation und ist Auslöser einer globalen Nahrungsmittel- und Energiekrise. Es besteht zudem die Gefahr, dass der Kreml weiter an der Eskalationsschraube dreht.

Die Energiewende ist somit eine zweifache Versicherung für die Zukunft: Wer die Herausforderung der erneuerbaren Energien annimmt, leistet einen Beitrag gegen den katastrophalen Klimawandel und hat gleichzeitig Chancen, Technologieführer zu werden: Denn den energie- und rohstoffeffizientesten Volkswirtschaften gehört auf einem heißen, ausgezehrten und überfüllten Planeten die Zukunft.