"Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren." In der "Göttlichen Komödie" des italienischen Dichters Dante Alighieri wird diese Inschrift, die sich auf dem Tor zur Hölle befinden soll, beschrieben.

Willkommen auf der Erde.

Die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre hält bei 419,05 ppm (vor 60 Jahren lag dieser Wert bei 319,61 ppm, das bedeutet einen Anstieg von 31 Prozentpunkten), und dieser Sommer verspricht erneut einer der heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen zu werden. Artensterben, Regenwaldabholzung, Bodenerosion, Wassermangel - weitere Horrormeldungen gefällig?

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wirkt - zumindest kurzfristig - wie ein Brandbeschleuniger der ohnehin schon kräftig lodernden Klimakatastrophe: Politiker und Manager entdecken - angesichts fehlender Alternativen - ihre Liebe zum Klimakiller Kohle neu. Wladimir Putins Krieg beschwört eine globale Hungerkrise herauf, in weiten Teilen der Welt könnte es sehr bald Brotrevolten geben.

In der Sicherheits- und Verteidigungspolitik stehen die Zeichen auf Aufrüstung. Die Welt sortiert sich gerade neu. Denn mit seinem Angriff auf breiter Front hat Putin die Bande zu Europa, die nach dem Zweiten Weltkrieg geknüpft wurden und sogar den Kalten Krieg überstanden haben, zerrissen. Das Modell der friedlichen Koexistenz wird vom Schreckgespenst der eskalierenden drei "K" - Konkurrenz, Konfrontation, Konflikt - abgelöst.

Weltschmerz wird zum tragenden Gefühl einer Zeit, in der die Menschheit einer höchst ungewissen Klimazukunft entgegentaumelt, aber zu gemeinsamem Handeln nicht mehr fähig scheint. Man möchte nicht in der Haut von UN-Generalsekretär Antonio Guterres stecken, der in immer kürzeren Abständen den routinierten, aber mehr und mehr verzweifelten Kassadra-Rufer gibt und zusehen muss, wie die Weltgemeinschaft wertvolle Zeit in der Verstrickung in Kriegen und Konflikten verliert.

Gibt es denn gar keine Hoffnung? Doch, die gibt es. Denn die Kontrahenten im Blockkonflikt des 21. Jahrhunderts - liberaler vs. illiberaler Kapitalismus (Zitat Kirill Rogov, Direktor des Russland-Analysenetzwerks "Re: Russia") - stehen allesamt nicht gut da. Die westliche Demokratie steckt in der Malaise, Putin hat seinem Land nur Krieg und Wirtschaftskrise anzubieten, und Chinas Staatschef Xi Jinping - der eine dritte Amtszeit anstrebt - musste in der Corona-Krise mitansehen, wie das Reich der Mitte aus dem chinesischen Traum gerissen wurde.

Wenn man sich in einem Loch wiederfindet, sollte man aufhören, zu graben, lautet ein US-Sprichwort. Der passende Zeitpunkt wäre genau jetzt.