"I'm sorry. That's the biggest thing. I fucked up, and should have done better." Mit diesen dürren Worten entschuldigte sich Sam Bankman-Fried, der durchaus exzentrische, erst 30-jährige Gründer und Chef der US-Kryptobörse FTX, am Donnerstag via Twitter. Sein von ihm in kürzester Zeit angehäuftes milliardenschweres und in einem undurchsichtigen Firmengeflecht veranlagtes Vermögen dürfte sich jetzt in der sprichwörtlichen Luft auflösen.

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung". 
- © Luiza Puiu

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

- © Luiza Puiu

Zu diesem Zeitpunkt gingen viele noch von einer Liquiditätskrise aus; schlimm genug, aber mit externer Hilfe oft zu bewältigen. Mittlerweile ist FTX nicht nur pleite, es häufen sich auch die Hinweise, dass es dabei Betrug im großen Stil gegeben haben könnte. Die Aufsichtsbehörden arbeiten daran, Licht in das verworrene Dunkel dieser Causa zu bringen. Dabei ist der Crash von FTX längst kein Einzelfall; die Liste zwielichtiger Kryptowährungen wird lang und länger.

"Don't trust, verify!" Vertraue nicht, überprüfe: Dieser Kampfruf der Propheten von Kryptowährungen und ihren Jüngern, die Vertrauen als Notwendigkeit aus den ökonomischen Beziehungen verbannen wollen, liest sich heute wie eine Provokation. Die Kryptoszene weist einen weit überproportionalen Guru-Faktor auf. Hinzu kommt ein oft eklatanter Mangel an finanzieller und struktureller Transparenz. Bankman-Frieds FTX-Firmenkonglomerat dürfte sich als Musterbeispiel für diese grundsätzlichen Defizite der Kryptowelt erweisen.

Das ist eine toxische Mischung, wenn es um Geld und das Versprechen von Sicherheit und Unabhängigkeit von staatlichen und brancheneigenen Kontrollinstanzen geht. Die Technologie hinter der Kryptovision ist das eine (deren exorbitanter Energieverbrauch ist eine ganz eigene Geschichte), aber Vertrauen, Transparenz und klare Verantwortlichkeiten dürfen nicht einfach zu Schlagworten degradiert werden.

Mehr Kontrolle ist dringend notwendig, ansonsten werden sich auch die durchaus vorhandenen interessanten Aspekte dieser nun auch nicht mehr ganz neuen Technologie wie nun Bankman-Frieds Vermögen in Luft auflösen.