Wenn man den Künstlichen-Intelligenz-Chatbot ChatGPT fragt, ob Elon Musk ein Genie ist, dann bekommt man als Antwort: "Es ist subjektiv, jemanden als Genie zu bezeichnen. Allerdings wird Elon Musk als hochintelligenter und erfolgreicher Entrepreneur und Innovator beschrieben."

Fragt man den mit Künstlicher Intelligenz ausgestatteten Chatbot nach den Symptomen von histrionischer Persönlichkeitsstörung, dann bekommt man als Antwort, dass solche Personen ständig danach verlangen, im Mittelpunkt zu stehen und die Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen. "Sie suchen die Anerkennung von anderen. Sie sind leicht beeinflussbar und ändern ständig ihre Meinung", schreibt Chat GPT.

Auch wenn man sich vor der Pathologisierung von in der Öffentlichkeit stehenden Personen hüten sollte, so meint man das Symptombild der histrionischen Persönlichkeitsstörung im erratischen und ziemlich verpeilten Verhalten des Eigentümers von Tesla und Twitter ganz gut erkennen zu können. Erst Ende Oktober hat Musk Twitter für 44 Milliarden Dollar gekauft, darauf folgten turbulente Wochen der Massenkündigungen, Rücknahme von Kündigungen, Spitzenmanager, die ihre Jobs hinwarfen, bizarre Business-Entscheidungen, ein Exodus wichtiger Werbekunden und von Heerscharen von Twitter-Nutzern, die Sperre einflussreicher Journalisten, die Musk ein Dorn im Auge waren . . .

Am Sonntag gab es dann die nächste seltsame Wendung in der Twitter-Farce: Musk stellte eine Abstimmung darüber online, ob er als Twitter-Chef zurücktreten soll. Mehr als 17 Millionen User haben ihre Stimme abgegeben und eine klare Entscheidung gefällt: 57,5 Prozent waren der Meinung, dass der zweitreichste Mensch der Welt die Führung von Twitter abgeben soll. Die Tesla-Aktie stieg daraufhin kurzfristig, fiel dann aber im weiteren Tagesverlauf.

Tatsächlich ist es höchst erstaunlich, wie ein Unternehmer, der derart chaotisches Führungsverhalten zeigt, CEO der wertvollsten Automarke (463,72 Milliarden Dollar Börsenkapitalisierung) - vor Toyota, dem chinesischen Autobauer BYD und Volkswagen - sein kann. Gut möglich, dass die Tesla-Aktie weiter sinken wird, jetzt, da jenen, die Musk bisher vorbehaltlos für ein Genie gehalten haben, dämmert, dass der römische Philosoph Seneca (4 bis 65 n. Chr.) vielleicht recht gehabt haben könnte, der da meinte: "Nie hat es einen großen Geist ohne eine Beimischung von Wahnsinn gegeben."

Auch wenn Musk die Führung bei Twitter nun abgeben sollte, ist die Zukunft der Plattform höchst ungewiss. Der Schaden ist jedenfalls bereits jetzt enorm. Man sieht sich auf der Twitter-Alternative Mastodon.