Horse Race, also Pferderennen: Mit diesem Begriff wird im Englischen die Unsitte in Politik und Journalismus bezeichnet, alles immer als Wettrennen und Konkurrenzkampf zu inszenieren. Egal, ob bei Wahlen, Pandemien, Pisa-Tests, Wirtschaftshilfen oder sonst etwas: Es geht nur darum, an der Spitze eines Rankings zu stehen. Hauptsache Erster.

- © Luiza Puiu
© Luiza Puiu

Auf diese Weise wird Politik auf einen bloßen Wettbewerb reduziert, wird eine komplizierte, vieldimensionale Sache auf einen Aspekt simplifiziert, der - abgesehen von Wahlen, wo es natürlich darauf ankommt, die Nummer eins zu werden - oft sogar weitgehend irrelevant ist.

Diese Fixierung wird noch durch den meist willkürlich gewählten Zeitfaktor in ihrer verzerrenden Wirkung verstärkt. Bestes Beispiel: die Corona-Pandemie. Das einstige Regierungsquartett, aus dem Karl Nehammer als damaliger Innenminister zum Kanzler aufgestiegen ist, vermarktete sich zu Beginn mit rigiden Maßnahmen als Europameister; später erklärten wir uns zum Test-Weltmeister; durch die Pandemie ist Österreich trotzdem nur unterdurchschnittlich gekommen.

Verlässlich wurde von zahlreichen Experten und Medien stets der diktatorische Überwachungsstaat China mit seiner Null-Covid-Strategie als unerreichbares Vorbild abgefeiert. Zu Beginn des dritten Pandemiejahres steht China nun trotzdem vor dem Scherbenhaufen seiner Covid-Strategie. Dabei gab es stets besonnene Köpfe, die davor warnten, den Kampf gegen Sars-CoV-2 als Wettrennen oder Ländermatch zu inszenieren, und betonten, dass sich erst im Nachhinein eine Bilanz ziehen lasse. Leider will niemand die Schlussrechnung abwarten, um ein gesichertes Urteil abzugeben.

Das zeigt sich auch aktuell im Kampf gegen Inflation und hohe Energiepreise. Erst am Mittwoch präsentierte das Kanzleramt eine Aufstellung sämtlicher Entlastungsmaßnahmen in Österreich mit besonderer Berücksichtigung des direkten Vergleichs mit Deutschland. Es versteht sich von selbst, dass Österreich im ewigen Pferderennen mit dem großen Nachbarn mehr als nur eine Nasenlänge vorne liegt.

Die einzige wirklich wichtige Frage, nämlich die, ob das ewige "Mehr", seien es nun Corona-Maßnahmen, Tests oder Hilfen aller Art, auch zum gewünschten (natürlich politisch, wirtschaftlich oder sonst zu definierenden) Ziel führt, bleibt in der Regel unbeantwortet. Weil es eine gesicherte Antwort immer erst im Nachhinein geben kann. Doch dann ist die Politik (und leider auch etliche Medien) verlässlich schon im nächsten Pferderennen engagiert.