Die Aktie des Elektroautobauers Tesla fällt und fällt. 73 Prozent hat das Papier seit dem Rekordhoch im November 2021 eingebüßt. Heute stellen sich Investoren die Frage: Warum konnte das Papier jemals so lichte Höhen erklimmen?

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman liefert in seiner "New York Times"-Kolumne eine Antwort: "Investoren haben sich in die Geschichte eines brillanten, coolen Innovators verliebt. Und das, obwohl es keine guten Argumente dafür gab, warum dieser Typ - sogar wenn er wirklich so genial wäre, wie es aussah - eine langlebige Gelddruckmaschine erfunden haben sollte." Zu einer guten Story gehört ein überzeugender Protagonist: Im Falle der Erfolgsgeschichte von Tesla - und es ist trotz Kurskorrektur eine - heißt dieser Protagonist Elon Musk.

Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller hat sich in seinem 2019 erschienen Buch mit "Narrativer Wirtschaft" auseinandergesetzt. Er schreibt über "Info-Epidemien" - wenn sich eine Information wie ein Lauffeuer verbreitet - und Informationskaskaden - wenn Menschen nacheinander dieselbe Entscheidung treffen.

Kurz gesagt: Wenn einer kauft, dann kaufen alle, wenn einer verkauft, dann verkaufen alle. Dazu kommt: Im Zeitalter sich rasant verbreitender Information werden Geschichten schnell viral.

Schriftstellerinnen, Politiker, Prediger und Journalistinnen wissen um die Kraft guter Storys ebenso Bescheid wie Werbe- und Marketingleute und eben Spitzenmanager. Doch auch die beste Story ist irgendwann ausgereizt. Die Realität auf dem Sektor der E-Mobilität: Tesla hatte - ebenso wie der chinesische Autobauer BYD - in Sachen Elektroautos jahrelang die Nase vorn. Dieser Vorsprung ist rapide zusammengeschmolzen, nachdem die traditionellen Autobauer auf den E-Auto-Trend aufgesprungen sind. VW und Toyota wollten nicht, dass es ihnen ergeht wie einst dem Handyhersteller Nokia, der den Touch-Screen-Trend verpasst hat und vom Weltmarktführer zur Nummer 13 auf der Rangliste der wichtigsten Smartphone-Produzenten abgestiegen ist.

Doch nicht nur härtere Konkurrenz wird Tesla zu schaffen machen, fehlende Netzwerkeffekte hemmen die Wachstumschancen. Denn bei Unternehmen wie Google, Facebook oder Microsoft profitieren die Konsumenten, wenn möglichst viele andere Nutzer ebenfalls die Produkte dieser Unternehmen verwenden. Diese Netzwerkeffekte sind bei E-Autos viel geringer.

In seiner Kolumne weist Krugman darauf hin, dass Musk ein Unternehmen besitzt, dessen Erfolg beinahe exklusiv von Netzwerkeffekten abhängt: Twitter. Doch bei diesem Unternehmen hat Musk kein glückliches Händchen bewiesen.